Montag, 27. Juni 2011

Goodbye Riverland - Die Reise geht weiter:')

In den letzten Tagen ist es sehr sommerlich geworden. Bis zu 20 Grad im Schatten und gefühlte 28,5 in der Sonne am Baum. Bis Mitte der Woche soll es noch so bleiben. Aber sobald die Dunkelheit einsetzt und die Sonne untergegangen ist wird es handschuhkalt…
Gestern war unser letzter Arbeitstag. Nach langem hin und her haben wir uns entschieden die Zitrusernte an den Nagel zu hängen. Es reicht. Gut zwei Monate sind wir nun schon im Riverland. Es ist Zeit aufzubrechen. Die Reisekasse ist wieder etwas gefüllt und 88 Tage haben wir nun allemal Farmarbeit geleistet, sodass wir Anspruch auf ein zweites Work & Travel Visum hätten, wenn wir das wollten…
Wir sind bei Pike Creek Farms und unserem zahnlosen chinesischen Arbeitgeber geblieben. Und eine Zeit harter Arbeit liegt nun hinter uns. Die letzten Wochen bestanden aus jeweils 7 Arbeitstagen. Manchmal hat uns die Motivation früher Aufbrechen lassen. Dann sind wir zum Einkaufen gefahren und haben uns zur Abwechslung ein Abendessen beim Chinesen gegönnt. Vor zwei Wochen waren wir nach der Arbeit mit Tracy in Renmark zum Heißluftballonglühen und Mittwoch vor zwei Wochen haben Don und Tracy ihren Fernseher herausgeholt und vor dem Lagerfeuer platziert. Wir haben die Rugby League Queensland vs. New South Wales geschaut. Ein sehr gemütlicher Abend. Am Dienstag hatte uns ein starkes Gewitter über Nacht einen freien Tag beschert und ansonsten gab es vor lauter Bäumen nicht viel zu sehen. Einige Pflücksachen, die mittlerweile mehr Löcher statt Stoff hatten, bekamen gestern Abend noch eine sinnvolle Aufgabe bei der Erhaltung des Lagerfeuers:’). Heute haben wir Eddy wieder etwas auf Fordermann gebracht - Ordnung und Sauberkeit sind eingekehrt. Ein Vorrat an Orangen, Mandarinen und Kürbissen ist angelegt, ausreichend Wasser ist gekauft, der Tank inklusive Reservekanister wird morgen noch aufgefüllt und dann kann es losgehen!!! Juhuu..-) Die Route steht schon fest, wird aber noch nicht verraten:’). Man kann nie wissen, wer uns noch mit dem ein oder anderen Tipp den Weg kreuzt und dann kommt sowieso alles anders. Perth ist das Ziel, soviel ist gewiss…

Dienstag, 21. Juni 2011

Noch mehr Tangelos und andere Citrusfrüchte...

Wir sind nun doch Pike Creek Farms und unserem zahnlosen chinesischen Arbeitgeber treu geblieben. Den Probearbeitstag bei Agriexchange hat es nie gegeben, aber im Augenblick können wir uns vor Arbeit sowieso nicht retten. Tangelos heißen die sehr saftigen Früchte, eine Kreuzung aus Mandarine und Grapefruit, die wir zur Zeit von den Bäumen schneiden... Letzte Woche

Freitag, 3. Juni 2011

von Mandarinen und Kürbissen...

Anfang der Woche ging es wieder an die Mandarinen. Schnipp schnapp, schnipp schnapp, schnipp schnapp… es dauert ewige 3,5 bis 4 Stunden für mich um einen dieser anscheinend bodenlosen Bins zu füllen. Und 50 Doller kommen dabei rum… Hoffentlich reifen bald die nächsten Orangen heran. Das geht schneller. In einer knappen Stunde kann ich damit 22 bis 27 Dollar erreichen. Aufgrund des Nebels jeden Morgen konnten wir erst gegen 11.00 Uhr mit der Arbeit starten. Die Früchte dürfen nur trocken geerntet werden, da sonst der Futteralschaden zu groß ist. Es blieb also auch nicht viel Zeit um 2, 3, 4… solcher Kisten zu füllen… Am Mittwoch hatten wir eh keine Lust. Die Motivation hielt sich in Grenzen.

Uns wurde mitgeteilt, dass die Marktsituation nicht rosig ausschaut. Die Früchte gehen nach Kalifornien und Japan. Aber es sind zu viele im Moment. Es gibt Farmen, die haben ihre eigenen Verpackungsanlagen. Logisch, dass deren Früchte bevorzugt gehandelt werden und andere Farmen auf ihren Früchten sitzen bleiben, bevor diese Abgerufen werden. Wir nutzten die Zeit für Fotos und Blödsinn...
Es sollte also vorerst wieder mal keine Arbeit geben. Doch Basti und ich hatten Glück. Rob hatte eine Alternative parat:’). Kürbisse! Ein Bekannter von ihm suchte nach Pflückwilligen…

Leider brachte uns der Auftrag, nicht wie erhofft, gute 2 Tage Arbeit sondern lediglich 2 Stunden, doch wir hatten unseren Spaß. Donnerstag war ein sehr warmer und sonniger Tag. 10.00 Uhr, wir trafen auf drei Backpacker aus Estland, ging es los. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein, gefühlte 25 Grad - gute Laune machte sich breit. In zwei Gruppen aufgeteilt, ich arbeitete mit einem Estländer zusammen und Basti mit den anderen beiden, bestand unsere Aufgabe darin, die Kürbisse vom Boden aufzusammeln und in Bins, die zwei Traktoren geladen hatten und auf dem Feld langsam tuckernd hinter uns herfuhren, zu platzieren. Eine sehr schweißtreibende Arbeit.
2 Stunden später, wir hatten etwa 12 der Holzkisten gefüllt, waren wir um einen Kürbis, zwei Hände voll frischer Mandeln, die auf einem riesigen Haufen im Schuppen noch in Schale lagen, hmmm lecker, und 60 Dollar reicher:’). 
Ein bisschen Morgensport, ich habe richtig Muskelkater in Po und Beinen, von dieser ungewohnten Bewegung, 12.00 Uhr Feierabend… was konnte an so einem Tag noch schief gehen. Tine und Juuli, zwei Mädels, die wir in Cobram auf der Cornish Farm kennen gelernt haben, hatten sich zu Besuch angemeldet. Ein schönes Wiedersehen!!! Am Abend gab es Erbsen & Schinken Suppe aus dem „Campoven“. Ein Fest! Super lecker:’). Einen Campoven, wie soll man den beschreiben. Bei der nächsten Gelegenheit muss ich unbedingt ein Foto machen… Ein Gusseiserner Topf mit einem schweren Deckel wird in ein Erdloch, das mit Glut vom Lagerfeuer gefüllt wird, gestellt und mit Glut und Asche bedeckt. So können alle Zutaten gut durchziehen. Gute 8 Stunden stand also nun die Suppe in der Erde… Letzten Freitag gab es schon Hühnchen aus dem „Lagerfeueroven“. Es ruhte 3 Stunden in der Erdhöhle und war butterzart. Dazu wurden Gemüse und Kartoffeln im Lagerfeuer gegart. Tracy und Don, das australische Ehepaar in unserer Runde, sind voll ausgestattet. Als zweiten Gang nach der Suppe gab es Känguruh vom Grill. Und zum Dessert Marshmellows vom Stock, kurz ins Lagerfeuer gehalten sind auch die ein echtes Highlight. Gefüllt mit zahlreichen Gesprächen und guter Musik ging der Abend in süffig geselliger Runde am Lagerfeuer gegen Mitternacht zu Ende. Heute Morgen klingelte der Wecker unchristlich früh um Viertel vor Sieben. Aufgrund der Marktsituation, der oft schlechten Organisation und der leider nicht vorhandenen Professionalität haben wir mit Tracy und Don bereits seit ein paar Tagen die Fühler nach alternativer Arbeit ausgefahren. Und hatten Glück:’). 8.00 Uhr sollten wir in Renmark zu einem Einführungs- und Sicherheitskurs der größten Zitrusfarm Australiens mit eigenem Verpackungslager und reichlich Arbeit erscheinen. Anschließend waren wir um, die uns eh schon bekannten, Informationen zu Sicherheitsanforderungen sowie zum Unternehmen und unseren Mitarbeiterausweis reicher. Wir sind schon halb angestellt, fehlt nur noch der Papierkram. Unser jetziger zahnloser chinesischer Arbeitgeber, hat noch nicht mal unsere vollen Namen. Wir sind Paula und Hannes mit den Nummern 205 und 204:’). Der neue Arbeitgeber hat schon jetzt durch sein Auftreten überzeugt. Morgen werden wir uns beim ersten Arbeitstag ein Bild von Früchten und Bäumen machen und uns anschließend für eine Farm entscheiden. Entweder wir bleiben hier auf der Pike Creek Farm, wo uns Rob die Bins mit seinem Traktor hin und her karrt oder wir wechseln zu Agriexchange, wo wir hoffentlich nicht auf unser Geld warten müssen und eine richtige Lohnabrechnung bekommen. Wir haben Glück, wenn Kevin heute Abend noch mit unseren Umschlägen bewaffnet vorbeikommt. Nach unserem zweistündigen Seminar gönnten wir uns nen Kaffee und ein kleines Frühstück beim Schachtelwirt, dem Restaurant zum Goldenen „M“, und fuhren zurück in unsere Behausung um uns von Tine und Juuli, die ihren Weg in Richtung Adelaide fortsetzten und Western Australia mit ihrem 4x4 unsicher machen wollen, zu verabschieden. Vorher gab es aber für jeden noch eine kleine Spritztour auf Rob's Quad-Bike durch die Wildnis um unser Campinglager. Am Nachmittag haben wir die Zeit mit Würfelklopfen totgeschlagen und Basti hat vorhin seine Kochkünste erstmalig an einem Kürbis ausprobiert. Herauskommen sind Makkaroni mit in Zwiebeln, Schinken und Tomaten angebratenem Kürbis und Käse. Sogar Tracy war begeistert…

Rob ist gerade zurück, und seine zwei Hunde, Thai und Pokey, streichen mir zur Begrüßung um die Beine… auf ihn wartet ebenfalls noch ein Teller voller Bratnudeln á la Basti:’). Letzten Samstag hat Basti bereits seine Kochkünste bewiesen und 28 Pfannkuchen, Crêpes, Pancakes - man nenne sie wie man will, sie sind einmalig - gebacken und damit alle Mitbewohner zum Frühstück versorgt. Tracy isst sie gerne mit Zucker, Zitronensaft und Sahne… klingt komisch, ist aber richtig lecker…

Es hat angefangen zu regnen und es ist schlagartig eiskalt geworden. Heute Morgen war ich noch mit Flip Flops unterwegs und jetzt sitze ich hier draußen und könnte mir am liebsten Handschuhe anziehen…

Von Mandarinen und K

Freitag, 27. Mai 2011

Mäuse:')

Mittlerweile haben wir uns mehr oder weniger häuslich eingerichtet. Basti hat unseren Stellplatz begradigt, damit wir Nachts nicht im Bett hin und her kullern und Strom liegt jetzt auch bis zur Beifahrertür. Rob's Vorgarten gleicht immer mehr einem Caravanpark... es sind noch Tracy und Donald, ein endvierziger australisches Ehepaar, dass wir in Cobram kennengelernt haben, hinzu gekommen. Wir wohnen nun also zu sechst unter einem Sternenhimmel, ein Dach über dem Kopf haben wir ja nicht wirklich:').
Und Haustiere hatten wir auch schon. Vorgestern Nacht, Basti und ich lagen im Bett, nagte irgendwas unter unst. Dann raschelte es und rannte im Van auf und ab. Basti fand keine Ruhe und ging auf die Suche. Bei eisiger Kälte schälte er sich aus dem Bett und stellte die ganze Karre auf den Kopf. Da er nichts fand, beschloss er aus Rob's Hütte eine Mausefalle zu holen, denn davon hat es reichlich. Mit einem Stück Schokolade haben wir unseren kleinen Nager 10 Minuten später erlegt. Schade um die Maus... aber nun hatten wir unsere Ruhe, dachten wir jedenfalls. Es knabberte und raschelte weiter. Noch eine Maus. Falle geleert und neu mit Schoki gefüllt war auch dieser kleine Störenfried schnell beseitigt. Eine reicht halt nicht... in unserem Van hat es wenn schon gleich zwei:). Und heute Morgen hatten wir noch eine. Wir sollten vielleicht darüber nachdenken uns einen kleinen Kater zuzulegen...
Heute haben wir frei. Das Verpackungslager hat keine Aufträge gegeben aber das Wetter hätte uns sowieso arbeitslos gemacht. Die letzten beiden Tage haben wir Mandarinen, Daisys genannt, geerntet. Doch diese kleinen Dinger können einen ganz schön verzweifeln lassen. Es dauert ewig bis so ein Bin, wo ca. eine halbe Tonne Platz hat, voll ist. Und die Mandarinen kann man nicht so ohne weiteres Pflücken, nein man muss jede einzelne vom Baum schneiden...  Glücklicherweise hat es von den Daisys nicht so viele und hoffentlich können wir bald die restlichen Navel Orangen strippen... die schmecken eh viel besser:').

Montag, 23. Mai 2011

Umzug

Nach einem ruhigen Wochenende ging es heute mal wieder an die Arbeit. Ein richtig guter Tag zum Orangen pflücken, dachte ich mir. Doch bereits nach 2 Stunden machte uns ein Regenguss arbeitslos. $ 57,00 konnte ich in der kurzen Zeit immerhin erwirtschaften:') Schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden wir fast weggespült und das Prasseln des Regens auf das Dach unseres Vans hat eine gemütliche Nachtruhe nahezu unmöglich gemacht. Gestern wurden wir fast vom Winde verweht und irgendwie ist noch keine Wetterbesserung in Sicht. Hier und da kommt mal die Sonne durch, bis die Wolken wieder die Überhand gewinnen...
Vorhin gab es lecker Kuchen und eine Tasse Kaffee, während wir auf das Trocknen unserer Wäsche gewartet haben und nachher werden wir die Zelte auf unserem angestammten Campingplatz abbrechen. Es wartet ein riesiger Berg Abwasch und unser Duschzelt sollten wir auch noch von den unzähligen Spinnennestern befreien, die sich in den letzten 4 Wochen eingenistet haben, bevor wir es wieder unter unserer Rücksitzbank verstauen. In Zukunft gibt es eine schöne heiße Dusche nach der Arbeit:'). Juhuuu! Wir ziehen zu Rob, unserem Tracktorfahrer und ehemaligem Vorarbeiter in Victoria. Er hat eine etwas bessere Blechscheune unweit der Farmen, wo wir ernten. William, ein Franzose, den wir auch schon von der Cornish Farm in Cobram kennen, hat sich ebenfalls in Rob´s Vorgarten in einem Wohnwagen eingenistet. Und gestern Abend, welch Freude, sind Dan und Christopf, ein Neuseeländer und ein Deutscher, diese beiden haben auch in Cobram gearbeitet, vorbei gekommen. Sie werden wahrscheinlich ein Zelt aufschlagen... Es kommt also mal wieder ein bisschen Leben auf:').
Der Hausmeister vom Campingplatz wird sich freuen, dass die nervigen Würfelspielbegeisterten endlich verschwinden. Obwohl wir doch unsere Aufenthaltsgenehmigung bis zum 18. Juli bekommen haben. Vielleicht drücken wir ihm zum Abschied ein paar Orangen in die Hand:'). Vermissen werden wir nichts, weder die riesigen, vogelgroßen Motten, im Klohäuschen, noch die Spinnen, die sich gerne über unserem Tisch vom Baum gehangelt haben, und uns so manchen Abend einen ordentlichen Schrecken eingjagt haben. Nur unser Possum. Davon hatte es einige. Wenn es dunkel wird, kommen sie aus ihren verstecken und jagen sich über die Bäume. Eines von ihnen ist in den letzten Tagen richtig handzahm geworden und ließ sich im Tausch gegen eine Scheibe Brot sogar streicheln... Richtig süß und sooo weich:'), wenn es einem mit seinen riesen großen runden Kulleraugen anschaut und das Brot hörbar, es schmatzt ganz schön, genießt...

Freitag, 20. Mai 2011

Schon 4 Monate...


Heute vor 4 Monaten bin ich in Sydney angekommen und krebse nun seither durch Down Under:’)

In den letzten Wochen ist ein wenig Ruhe eingekehrt.
Zurück in Nuriootpa hatte es zunächst noch genug Arbeit für uns, so jedenfalls die vorläufige Prognose. Nach ein paar Tagen der erfolgreichen Traubenernte sah die Vorhersage für die kommende Woche jedoch schon wieder nicht mehr sooo rosig aus. Als jenen Mittwoch tatsächlich und völlig unverhofft Roger von der Appelina Hills Plantage anruft, er habe Arbeit für uns. Wir sollten gleich am nächsten Tag anfangen, konnten uns aber auf Freitag einigen. Denn so hatten wir noch genug Zeit, Mark unsere Kohle aus dem Kreuz zu leiern und unsere Zelte im Barossa Valley abzubrechen. Nach der Arbeit, im Hause der anderen Erntehelfer noch eine ausgiebige warme Dusche genommen und mit Mark abgerechnet, fuhren wir in die Adelaide Hills nach Forrest Range. Unweit der Farm fanden wir einen Platz zum Schlafen. Und pünktlich 7.30 Uhr standen wir am nächsten Morgen auf der Farm parat. Roger kam wieder mit seinem Moped angeknattert, stattete uns mit Pflücksack und Gummistiefeln aus, und wies uns an ihm zu folgen. Wir parkten unseren Van direkt neben den Äpfelbäumen mit den Golden Delicious, die wir zu ernten hatten. Von dort aus hatte man eine herrliche Sicht über die Hügel, in dessen Tälern sich an diesem sehr kalten Morgen der Nebel wie Watte verfing. Nachdem wir kurz die Aussicht genossen hatten ging es ans Eingemachte. Äpfel lassen sich auf ähnliche Art und Weise wie Birnen pflücken. Die Bäume waren jedoch nicht ganz so hoch und die Leitern, aus Aluminium diesmal, leicht und handlich. Äpfel müssen aber im Vergleich zu Birnen und Pfirsichen sehr behutsam behandelt werden, denn sonst bekommen sie unerwünschte Druckstellen. Sie lassen sich demnach nicht so schnell pflücken. Aber wir wurden sowieso nach Arbeitsstunden bezahlt.
Roger war ein sehr netter und gleichzeitig sehr schüchterner Mensch, der absolut nicht in der Lage war einen Satz zu Ende zu sprechen oder eine Anweisung klar zu definieren. Er wollte, dass wir die Äpfel wie Glaskugel behandeln, konnte uns das aber nicht mitteilen, weil er eben so war wie er war. Wir waren ihm anscheinend zu rau im Umgang, obwohl wir guten Gewissens unser Bestes gaben. Nach der Mittagspause versetzte er uns in einen anderen Block mit Fujis. Die Golden Delicious waren ihm zu heilig und die Fujis wohl einfacher zum Ernten. Dort pflückten wir gemeinsam mit seinem Sohn, dem Basti bezüglich des Apfelanbaus unzählige Löcher in den Bauch fragte. Er wollte alles wissen. So erfuhren wir zum Beispiel, dass die Äpfel im Sommer mit einer Art Sonnencremé besprüht werden. Hm.. auch die können Sonnenbrand bekommen:’) Rodneys interessante Geschichten ließen den Nachmittag recht schnell vergehen und gegen 16.30 Uhr wurde der Feierabend eingeläutet. Rodney war, im Gegensatz zu seinem Vater, ganz zufrieden mit unserer Arbeit. Was jedoch nichts an der bedrückenden Stimmung und unserem Unwohlsein änderte. Am nächsten Tag ging es mit Granny Smith weiter. Doch wir wurden das Gefühl nicht los, dass Roger mit unserer Arbeitsweise nicht zufrieden war. Kurz vor Mittag kam er, schaute in die Bins und bemerkte, dass die Äpfel wohl noch etwas zu grün aussehen würden. Nach kurzer Überlegung teilte er uns mit, dass sich die Apfelernte nun doch noch ein wenig verschiebt und er sich wieder bei uns meldet - was er sowieso nicht machen wird und uns auch ganz recht war. Kurze Zeit später, wir hatten uns zwischenzeitlich wieder für die Zivilisation hergerichtet, übergab er uns 2 Kuverts mit je $ 200,00. Anschließend verließen wir die Hills und fuhren nach Adelaide.
Am Abend entschieden wir uns für ein thailändisches Restaurant in Chinatown, nachdem Basti schon den ganzen Tag von asiatischem Essen gesprochen und mir entsprechend Appetit gemacht hatte. Wir saßen draußen, zwischen Fußweg und Straße, am einzigen freien Tisch und studierten die Speisekarte. Ein mittvierziges australisches Ehepaar am Nachbartisch erkannte sehr schnell, dass für uns nur böhmische Dörfer in der Karte standen und gaben uns Tipps. Margot und Rolf essen wahnsinnig gerne thailändisch und kannten sich daher mit der Materie aus. Wir kamen mit den beiden ins Gespräch und bestellten entsprechend den Empfehlungen unser Essen. Unterdessen klingte sich auch der Herr vom Nachbartisch der anderen Seite mit ins Gespräch ein. Er fragte mich nach Zettel und Stift. Ich gab ihm meine Serviette und so schrieb er einige sehenswerte Dinge über Adelaide nieder, die wir auf keinen Fall auslassen sollten. Kurz darauf kam seine Begleitung zurück, er verabschiedete sich freundlich und wünschte uns eine schöne Zeit. Margot ergriff die Serviette und vervollständigte die Liste mit Tipps über South Australia und Western Australia. Wir genossen einen sehr schönen geselligen Abend. Die Speisenauswahl war gut, doch Basti und ich beschlossen einstimmig, dass die thailändische Küche nicht zu unseren Favoriten gehört. Margot und Rolf luden uns auf ein Dessert ein wenig später verabschiedeten sich die beiden ebenfalls mit den besten Wünschen. Rolf besteht auf eine Email mit einem kurzen Bericht über den Uluru und Alice Springs…

Die nächsten Tage ist nicht wirklich viel Spannendes passiert. Wir machten einen Abstecher zum Maslin Beach. Ein sehr schöner langer Sandstrand, den uns Margot und Rolf empfohlen hatten. Er ist etwas südlich von Adelaide gelegen und offensichtlich ein beliebtes Ziel für ausgedehnte Spaziergänge. Auf einem der Parkplätze trafen wir die Vorbesitzer von Eddy an - toll wie die in Frankreich sind… Innerlich kochend stiegen wir aus, lächelten nett, genossen die Aussicht und fuhren weiter. Ein Gespräch hätte hier sowieso nichts genutzt und unser Auftritt war sicher aussagekräftig genug;)
Zwei Tage lang genossen wir nun also die Ruhe in Maslin Beach und Umgebung. Zugegebenermaßen war es für mich schon fast ein wenig zu ruhig…

Zwischenzeitlich gab es Neuigkeiten von Rob, unserem Vorarbeiter auf der Cornish Farm in Cobram. Wir hatten immer mal wieder Kontakt auf Facebook. Er war nach der Saison in Victoria ins Riverland nach South Australia zurückgekehrt. Dort besitzt er ein Haus, welches er vermietet hat, und wohnt in einer Art Schuppen. Seit Jahren hat er dort zur Orangensaison einen Job als Tracktorfahrer. Und so wie es aussah hatte er einen Job für uns. Die Saison sollte nach Ostern, Anfang Mai, so langsam losgehen. Er empfahl uns, bis Ende April bei ihm vorbeizukommen um Nägel mit Köpfen zu machen. Denn der Job ließe sich nicht auf Zuruf halten. Am 21. April haben wir uns also auf den Weg ins Riverland gemacht. Auf halber Strecke haben wir in Swan Reach einen Campingplatz als Nachtlager aufgesucht und sind am nächsten Morgen weitergefahren. Ziel war Berri, wo wir uns mit Rob treffen wollten. Loxton war der nächste Ort in knapp 100 km Entfernung. Unsere Tankanzeige neigte sich schon bedrohlich dem Ende entgegen. Es war Karfreitag und weit und breit keine Menschenseele. Die auf der Karte eingezeichneten Orte, entlang unserer Route, stellten sich als kleine Siedlungen bestehend aus einer Hand voll Häuser OHNE Tankstelle heraus. Wir fuhren und fuhren und die Nadel näherte sich unaufhörlich dem „E“. Bis plötzlich, es ging nichts mehr - der Tank war leer:’( Ca. 30 km vor Loxton kamen wir zum Stehen. Kanister hatten wir keinen mehr, also machten wir uns, lediglich mit einer kleinen Flasche Wasser und etwas Geld bewaffnet, zu Fuß auf den Weg… Keine 5 Minuten später, ein älteres Ehepaar hielt an und erkundigte sich ob wir Hilfe benötigten. Wir erklärten unsere Situation und stiegen ins Auto. Im nächsten kleinen Ort, der sich wieder nur als kleine Ansiedlung vereinzelter Häuser herausstellte, versuchten wir unser Glück. Doch das Pup, vor dem sich eine etwas verlassene Tanksäule befand, hatte leider geschlossen. Unser Fahrer klopfte an eine Haustür und erkundigte sich nach der nächsten Möglichkeit Benzin aufzutreiben. Loxton war das Schlüsselwort. Also rin ins Auto und weitergefahren. An der zum Karfreitag glücklicherweise offenen BP-Tankstelle ließen uns die beiden raus. Dort kauften wir einen Kanister, den wir sogleich betankten. Wir liefen zurück in Richtung Landstraße auf der Hoffnung jemanden zum Anhalten bewegen zu können, der uns wieder zu Eddy zurück bringt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite versuchten ebenfalls zwei Reisende mit allerhand Gepäck eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Doch wieder keine 5 Minuten später hielt ein einzelner, etwas wüster Herr für uns an. Wir hatten Glück! Der Weg zu Eddy lag nicht so ganz auf seiner Route, doch ohne lange zu überlegen fuhr er uns die 30 Kilometer wieder zurück. Er warte bis wir den Tank aufgefüllt hatten und als Eddy ansprang fuhr er von Dannen. Auch wir setzten unsere Fahr fort, tankten in Loxton auf und fuhren weiter nach Berri, wo wir schließlich auf Rob trafen. Ein fröhliches Wiedersehen. Er zeigte uns wo er wohnte und machte uns mit den Orangenbäumen, die uns für die nächsten Wochen mit Arbeit versorgen sollten, vertraut. Nach Ostern sollte es mit der Ernte beginnen. Die Hauptsaison startet im Juni, aber im Mai gebe es schon die ersten reifen Orangen. 

Wir entschieden uns über Ostern nicht durch die Weltgeschichte zu reisen und suchten nach einem idyllischen Campingplatz in der Gegend - gar nicht so einfach! Viele Rastplätze mit schöner Aussicht und Toiletten waren 1. schwer zu finden und 2. abgesoffen, da der Murray River, der sich auch hier durchs Riverland schlängelt, bereits seit Wochen extrem angeschwollen ist:’( Nach zig Kilometern von Westen nach Osten in den Süden und wieder zurück hatten wir endlich ein lauschiges Plätzchen gefunden. Wir ließen uns häuslich nieder und verbrachten so das recht warme und sonnige Osterwochenende. 

Anfang der Woche machten wir uns zurück auf den Weg nach Berri. Dort suchten wir ebenfalls einen Campingplatz auf, den wir mittlerweile immer noch bewohnen. Den Martins Bend Camping Ground. Sogar einen Caretaker, einen Hausmeister, hat es da. Und bleiben darf man nur maximal 30 Tage, was wir aber inzwischen auch schon amtlich geklärt haben:’)
Die ersten Arbeitstage ließen nicht lange auf sich warten. Die ersten Navel Orangen, hmm yummy!!!, warteten darauf vom Baum geholt zu werden. Doch Garry, der Manager, entschied unterdessen, das diese noch ein wenig brauchten. Also war nach zwei Tagen die Sache vorerst auch schon wieder erledigt. Und so geht das nun schon die letzten drei Wochen. Die Orangen wollen und wollen nicht so richtig Farbe annehmen. Zwischendurch haben wir nach Auswahl pflücken müssen, was heißt nur die orangenen Früchte zu ernten. Doch auch das wurde wieder eingestellt. Spätestens nächste Woche soll es aber richtig losgehen. Denn dann sind wohl auch schon die ersten Mandarinen reif:’). Und mehr Geld gibt es dann auch, juhuuu - dann klingeln wieder die Dollarzeichen:p.
Die freien Tage haben wir seither auf dem Campingplatz verbracht.
Am Abend gibt es meistens ein kleines Lagerfeuer und dann wird bis in die Puppen gekniffelt… unsere Würfel sind schon ganz rund;). Letztes Wochenende haben wir noch mal, da wieder keine Arbeit in Aussicht war, den Weg in Richtung Adelaide angetreten. Am Abend waren wir bei unserem Lieblingschinesen, den wir die letzten Male ausfindig gemacht hatten und fuhren nochmals zum Maslin Beach. Basti war es ein Bedürfnis nochmals da gewesen zu sein. Im gleichen Aufwasch machten wir einen kleinen Abstecher nach McLaren Vale, einem sehr gemütlichen kleinen Örtchen, das uns ebenfalls Margot und Rolf empfohlen hatten. Und am Sonntag fuhren wir nebst einem kleinen Abstecher zum Mount Lofty, von wo man eine herrliche Sicht über Adelaide und Umgebung hat, wieder retour ins Riverland...

Heute ist noch nicht viel passiert. Später werden wir uns bei Kevin, unserem Auftraggeber, unsere paar Kröten von dieser Woche abholen und dann wieder die Idylle des Campingplatzes aufsuchen und bei einer Tasse Kaffee noch ein paar Würfel kloppen:').