Dienstag, 14. Mai 2013

Karijini Nationalpark

Vorgestern haben wir Exmouth verlassen. Dieser Ort erinnert mich immer irgendwie an Griechenland. Sind es die Palmen, die die Haupstraße säumen, das Klima oder die Atmosphäre, ich weiß es nicht. Klar ist, ich liebe diesen Ort mit seinen ungefähr 2500 Einwohnern. 

756 km haben wir bis zum Karijini Nationalpark zurückgelegt und die Fahrt nur durch zwei Tankstopps, einen am Nanutarra Roadhouse und einen kurz vor Tom Price, eine kleine "Stadt" unweit des Karijini Nationalparks, der im Landesinneren liegt, unterbrochen.


Die Straße führte uns abermals durch endlose, menschenleere Weiten. Den Gegenverkehr konnten wir an zwei Händen abzählen. Die Landschaft blieb zunächst weiterhin karg, mit dürren Büschen und Gestrüpp, wurde aber im Landesinneren immer hügeliger und baumreicher. 
Der Karijini Nationalpark ist für seine zahlreichen Rock Pools (Wasserlöcher), River Gorges (Flusschluchten) und enorme Farbenvielfalt  bekannt. Die hügelige Landschaft des Parks wird durch den roten Boden, der mit leuchtend gelben strohartigen Grasbüscheln bewachsen ist dominiert. Einen tollen Kontrast bilden die hellgrünen Kronen einer Eukalyptusbaumart und ihre weißen Stämme. Hier und da zieren auch Termitenhügel das Landschaftsbild. 


Vor den Toren des Parks liegen Mt Bruce mit 1235 m (siehe Bild) und Mt Meharry mit 1249 m die höchsten "Berge" Western Australiens. 

Es war bereits dunkel als wir den Campground unweit der Dales Gorge, die unser erstes Ziel für den nächsten Tag darstellte, erreichten. Das Office des Campingplatzes war schon geschlossen. Wir stellten uns auf Platz 3 der Cockatoo Loop. 50 m entfernt befand sich ein anständiges Plumpsklo. Strom und Wasser gab es jedoch nicht. Deswegen hatten wir einen ausreichenden Vorrat an Wasser angelegt. 
Nach dem Abendessen, es gab Kartoffeln (Nadine washed potatoes:) mit Sour Cream, haben wir noch eine Runde Carcassonne gespielt.

Gestern früh, der Ranger hatte uns auf seinem morgendlichen Kontrollgang schon registriert, haben wir erstmal die Campingplatzgebühr für zwei Nächte bezahlt. $ 9.00 kostet eine Übernachtung pro Person im 
Nationalpark. Dazu kommt noch der einmalige Eintrittspreis mit $ 11.00 pro Auto, den wir bereits am Vorabend in einem Kuvert in den am Eingang bereitgestellten Behälter geworfen hatten. 


Die erste Wanderung machten wir durch die Dales Gorge. Entland der Schluchtwand ging es zunächst steil bergab. Aber rote Steinplatten, die treppenartig arrangiert wurden, machten den Abstieg sehr angenehm. 
Unten angekommen führte uns ein Pfad über weitere aber riesige Steinplatten und über einen Fluss zum Circular Pool. 


Das Wasser war eiskalt. Und von wärmender Sonne keine Spur. Der Himmel war bis zum Nachmittag mit Wolken verhangen. Auch war es wieder stürmisch, aber davon bekamen wir in den Schluchten nichts mit. Trotzdem trauten sich einige der Besucher in das sonst sehr klare und saubere Wasser.


Weiter kamen wir zu den Fortescue Wasserfällen, wo wir, Papi und ich, baden gingen, und zum Fern Pool. 


Nach etwa drei Stunden waren wir wieder zurück am Auto und fuhren zur Besucherinformation. Ich wollte mich über den Straßenzustand erkundigen, denn alle weiteren Gorges waren nur über unbefestigte Straßen erreichbar. Grundsätzlich werden dafür geländegängige Fahrzeuge empfohlen, denn es kann, vor allem an Stellen, wo ausgetrocknete Flüsse durchquert werden müssen, sehr steinig und rau werden. Die Dame im Visitor Center riet uns mehr oder weniger von der Befahrung der Straße ab. Aber wir versuchten es trotzdem. 25 km lag die Kalamina Gorge, diese Schlucht kannte ich noch nicht, entfernt. Die Straßenverhältnisse waren nicht annähernd so schlimm wie beschrieben. In der Schlucht führte uns ein Pfad im Zickzack über den Fluss. Die Sonne konnte sich endlich ein wenig durch die dicke Wolkenschicht bohren. Was die Schlucht zum Leben erweckte. 


Denn durch das Sonnenlicht wurde die Landschaft noch viel beeindruckender. Das Rot der Felswände und das Blau der Steinplatten am Boden gewannen an Lebendigkeit und Tiefe. Ebenso wurde das Wasser durch die Reflexionen zu einem hellen satten Grün. Doch leider schaffte es die Sonne nicht ganz die Oberhand zu gewinnen. 
Nach etwa 1,5 Stunden haben wir die Schlucht wieder verlassen. Und leider neigte sich der Tag schon dem Ende. Meine Eltern waren froh, dass wir die Holperstraße in Angriff genommen hatten. Denn nun wollten sie am liebsten noch mehr sehen. Auch waren sie froh dass wir den Karijini Nationalpark kurzfristig wieder in unsere Reiseroute eingebaut hatten. Denn aus Zeitgründen sollte zwischenzeitlich nur der Cape Range Nationalpark oder der Karijini Nationalpark besucht werden. Und auch ich hatte völlig vergessen wie schön es hier ist. Mann muss wissen, dass die Schönheit des Nationalparks in seinen zahlreichen Gorges liegt, die man beim einfachen Durchqueren des Park nicht sieht und auch nie vermuten würde. 

 
Wir fuhren die Schotterpiste noch 23 km weiter zum Joffre Wasserfall und zum Knox Gorge. Beides haben wir uns nur vom Aussichtspunkt, der sich jeweils oberhalb der Schluchten befand, angeschaut. 

 
Wäre noch etwas mehr Zeit gewesen, wäre ich und auch bestimmt Papi, vom Joffre Gorge ins Red Gorge geschwommen, denn dazwischen gibt es keinen Weg. Wie wir vom Aussichtspunkt gesehen haben, ist die Schlucht an manchen Stellen recht schmal und komplett mit Wasser gefüllt. 


Vor Einbruch der Dunkelheit machten wir uns wieder auf den Rückweg. Papi hatte einen Heidenspaß mit bis zu 80 km/h über dir rote Staubpiste zu brettern. Wir hielten noch kurz am Wassertank um unseren Vorrat aufzufüllen und kamen nach einem weiteren perfekten Tag völlig erschöpft im Camp an. Bei einer kurzen Katzenwäsche, lies sich der rote Staub entfernen. Nach dem Abendessen gab es ein Gläschen Wein und wir spielten eine Runde "Bohnen", ein sehr amüsantes Kartenspiel. Papi suchte vergebens nach den Crackern zum Wein. Er durchsuchte sämtliche Schubladen und Aufbewahrungsmöglichkeiten. Doch Mutti und mir liefen schon die Tränen vor Lachen als ich ihm sagte, dass sie zusammen mit dem Brot in der Mikrowelle liegen. Denn der Stauraum hält sich in Grenzen. Da wir die Mikrowelle sowieso nie benutzen und ohne Strom auch gar nicht benutzen können, ist sie ideal um Lebensmittel darin aufzubewahren. 
Meine Zähne habe ich mir unter der Milchstraße geputzt. Der Sternenhimmel, besonders ohne störende Lichtquellen, ist der Hammer. Ich habe noch nie so viele Sterne wie am australischen Nachthimmel gesehen. 

Heute Morgen hat uns der Regen, der bereits während des Frühstücks einsetzte und gemäß Wetterbericht noch ein paar Tage anhalten soll, aus dem Park vertrieben. Der Abschied viel somit nicht schwer. 372 km waren es bis Port Hedland, wo wir Kühlschrank und Tank auffüllten. Und nochmals 258 km bis zum 80 Mile Beach, wo wir kurz nach 17.00 Uhr angekommen sind. Der Regen hat uns bis hier her verfolgt und ärgert uns immer noch. Zum Abendessen gab es lecker T-Bone Steak mit Zwiebelringen und Knoblauchbrot, alles von mir gegrillt, und Salat. Das Essen war mein Highlight des Tages:) 

Samstag, 11. Mai 2013

Cape Range Nationalpark

Ein weiterer absolut toller Tag neigt sich dem Ende...
Die letzte Nacht war sehr stürmisch und so die erste Hälfte des Tages. Als wir heute Morgen gegen 10.00 Uhr in den etwa 40 km entfernten Cape Range Nationalpark, der sich 50 km entlang der Küste erstreckt, aufbrachen, trieb mich der starke Wind fast von der Straße. Das Gefühl, der geplante Schnorchel- und Badetag würde buchstäblich vom Winde verweht werden, beschlich mich. Eine Alternative musste her. 
Wir entschieden uns für die kleine 3 km lange Wanderung durch die Mandu-Mandu Gorge. Der Weg führte uns durch ein ausgetrocknetes Flussbett und anschließend steil nach oben auf den steinigen Rand der Schlucht, von wo man eine herrliche Sicht bis zum Meer hat. 


Nun ging es hoch, runter, hoch, runter bis wieder zurück zum Parkplatz und der Sturm fegte uns fast davon. Aller paar Meter standen weiße Metallpfähle, die wohl einigen zur Markierung des Weges dienten, für uns jedoch waren sie ideale Hilfen um dem wirklich starken Wind standhalten zu können:) 

 
Und festes Schuhwerk wird meiner Meinung nach auch völlig überbewertet. Mit dem Wissen in Australien Aussichtspunkte, Wasserfälle und sonstige Touristenattraktionen fernab asphaltierter Straßen problemlos in FlipFlops zu erreichen, hatte ich auch heute nichts anderes an den Füßen. Und ich hab's geschafft, auch wenn der Pfad diesmal doch eher an Wanderwege in der Schweiz erinnerte:) 


2 Stunden sollte man für den Rundweg einplanen, doch wir waren nach gut 65 Minuten schon wieder zurück... 
Und der Wind hatte sich nicht gelegt. Wir beschlossen bis ans südliche Ende des Nationalparks bzw. bis ans Ende der asphaltierten Straße zur Yardie Creek Gorge, die sowieso nur noch 20 km entfernt lag, zu fahren. Ein ebenfalls landschaftlich sehr reizvolles Fleckchen Erde, wie eigentlich der ganze Park. Deswegen liebe ich ihn auch so sehr. 

Auf dem Weg über die Holperpiste zurück zur Hauptstraße versperrte uns ein Känguru den Weg:) Es rührte sich überhaupt nicht von der Stelle und bot uns ein ausgezeichnetes Fotomotiv. 


Nur selten bekommt man die scheuen Tiere so nah vor die Linse. 

Die roten bis zu 25 m hohen Felswände der Yardie Creek Gorge und der Fluß bilden eine herrliche Kulisse für die 2 km lange Wanderung. 


Der Yardie Creek führt als einziger in der Region ganzjährig Wasser - wobei es sich um Salzwasser handelt, da er vom Meer gespeist wird. So konnte sich ein interessantes kleines Ökosystem entwickeln. Auch für diesen kurzen Fußmarsch brauchten wir nur einen Teil der angegebenen Zeit von 1,66 Stunden. Nach 35 Minuten waren wir wieder am Ausgangspunkt. 

Es war mittlerweile früher Nachmittag und der Wind hatte etwas nachgelassen. Die schon den ganzen Tag trotz der Schleierwolken sehr zuverlässige Sonne ließ die Temperaturen nun durch den abklingenden Wind steigen und erweckte schlagartig den Wunsch nach einem Sprung ins kühle Nass. Wir stoppten an der Sandy Bay, einer sehr schönen Bucht mit Sandstrand und azurblauem Wasser, das nicht sehr tief und somit ideal zum Schwimmen ist. 


Wir brutzelten ein wenig in der Sonne und wurden Zeugen einer Hochzeit:) 

Der Nachmittag neigte sich so langsam seinem Ende. Auf dem Rückweg nach Exmouth machten wir noch einen kurzen Abstecher zu Oyster Stacks und Turquoise Bay. 

 
Zwei wunderschöne Schnorchelreviere, denn hier, wie auch in Coral Bay, liegt das Ningaloo Reef direkt vor der Küste. Doch zum Schnorcheln blieb leider keine Zeit mehr. Wir wollten noch den Sonnenuntergang anschauen, aber auch schon zur Dämmerung den Cape Range Nationalpark verlassen haben, denn mit Einbruch der Dunkelheit wimmelt es nur so von Kängurus am Straßenrand, die man sonst den ganzen über Tag nur sehr selten zu Gesicht bekommt. 
Wir hielten an der Tantabiddi Bootsrampe, nur wenige Kilometer nördlich des Parks, als die Sonne schon recht tief am Horizont stand und genossen den Sonnenuntergang. 


Die letzten Strahlen verwandelten die Bergkette im Hinterland in eine traumhafte Kulisse. Als die Sonne schließlich im Meer versank blieben nur noch leuchtend gelbe Wolken, die sich wenig später rot verfärbten, übrig. Mit eintretender Dunkelheit zeigten sich immer mehr und mehr Kängurus und eins, dass neben der Straße saß, hatte sogar ein Baby im Beutel:) 

Nach dem Abendbrot und der erfolglosen Suche nach einem Wäschetrockner, der Sturm hat wieder eingesetzt und wedelt die frisch gewaschene Wäsche von der Leine, gönnten wir uns zum Abschluss des perfekten Tages ein Eis vom Italiener, der sich direkt neben dem Eingang des Caravan Parks befindet... hmmm war das lecker! 

Freitag, 10. Mai 2013

Coral Bay

Kurz nach 10.00 Uhr haben wir Canarvon wieder verlassen und gegen 12.30 Uhr das rund 250 km entfernte Coral Bay erreicht. Der Weg führte uns wieder durch endlose Weiten. Zahllose Termitenhügel zieren die sonst sehr karge Buschlandschaft. 
Wir überquerten den "Tropic of Capricorn" (südlicher Wendekreis). 
In Coral Bay angekommen, die kleine Feriensiedlung wurde erst 1968 gegründet und besteht bis heute aus nur einer Strasse, haben wir erstmals Bikini und Badehose ausgepackt und uns in die Fluten gestürzt:) 


Weißer Sandstrand, azurblaues nicht ganz badewannen-warmes aber sehr angenehm temperiertes Wasser, Sonnenschein bei strahlend blauem Himmel... was will man mehr? :))) 


Papi und ich waren eine Runde schnorcheln, denn das Ningaloo Reef, das Tauchparadies Western Australiens, das sich 260 km entlang der Küste erstreckt und nie weiter als 5 km von der Küste entfernt liegt, liegt hier noch nicht einmal 100 m vom Strand weg. Mutti war leider nicht dazu zu bewegen mit Brille und Schnorchel einfach mal den Kopf unter die Wasseroberfläche zu stecken um die Korallen und farbenfrohen Fische sowie die riesigen Spangled Emperor, die sich im flachen Wasser von der Strömung treiben ließen, zu bewundern. 
Zurück am Auto, wo Mutti Wasser für eine Tasse Kaffee aufsetzte, wies uns ein Australier, der gerade neben uns eingeparkt hatte, auf die Fütterung der Rifffische hin. Kurzerhand funktionierten wir unser Schälchen Heeßen zu einem Coffee to go um und liefen zurück zum Strand, wo sich bereits eine kleine Menschentraube angesammelt hatte. Wir konnten uns bereitgestelltes Fischfutter nehmen und durften die Spangled Emperors damit füttern. Geschätzte 50 Fische, 40 bis 70 cm groß, schwammen völlig angstfrei zwischen unseren Beinen hindurch und schnappten wie verrückt nach den Pallets. 

 
Ein einmaliges Erlebnis und unser Highlight des Tages:) 
Anschließend fuhren wir weiter nach Exmouth. Unterwegs trafen wir auf etliche Schafe, Kühe, Ziegen und noch mehr Termitenhügel.
In Exmouth checkten wir ins Ningaloo Caravan Holiday Resort ein. Stellplatz 201 mit Power und Wasser ist für die nächsten beiden Nächte unser zu Hause:) Zum Abendessen gab es auf Wunsch von Mutti Fish & Chips. Das Blue Lips Takeaway Restauraut ist offensichtlich sehr beliebt, denn wir mussten eine Stunde auf unsere Bestellung warten. Und das warten hatte sich gelohnt...


Meinem Papa geht es übrigens schon seit ein paar Tagen wieder blendend. Jedoch ist er bereits total unterhopft;) 

Donnerstag, 9. Mai 2013

Von Delfinen, Minimuscheln und Jetties...

Viertel vor Sieben klingelte bereits der Wecker. Denn wir wollten pünktlich um 7.45 Uhr in Monkey Mia zur Delfinfütterung sein. 
Ein herrlicher Morgen. Keine Spur mehr von dicken Regenwolken und dem Wind, der uns gestern den ganzen Tag um die Ohren blies. Schnell Zähne geputzt, Betten abgebaut und los ging's. Das Frühstück wurde auf später verschoben. 
Am Strand in Monkey Mia angekommen, waren gleich schon zahlreiche Delfine da. Einige mit ihren Jungen, die wie verrückt im Wasser umher plantschten. Die kleine Menschenmenge, etwa 100 bis 150 Neugierige hatten sich versammelt, schossen hunderte Fotos. Überall knipste und klickte es. Jeder wartete auf das perfekte Bild. Einer der Babydelfine sprang sogar durch die Luft und schlug mit seiner kleinen Flosse aufs Wasser. Und zwei andere, vermutlich die Mamas, posten gerade mal einen Meter von uns entfernt im knietiefen Wasser wie gelernte Fotomodelle. Sie genossen offensichtlich die Aufmerksamkeit... Unterdessen wurde uns eine ganze Menge über die Meeressäugetiere erzählt. Und schließlich ging es an die Fütterung. Doch leider hatte keiner von uns das Vergnügen einem der Delfine einen frischen Fisch zu reichen:( Aber es ist schon echt irre die Delfine so nah beobachten zu können. 
Nach dem lohnenswerten Event in aller Frühe fuhren wir die 25 km zurück nach Denham um in einer Bäckerei direkt an der Küstenstraße eine Kleinigkeit zu frühstücken. 
Zurück am Auto übernahm ganz überraschend mein Papa das Steuer. Nach über 1792 gefahrenen Kilometern sitzt er nun zum ersten Mal auf dem Fahrersitz. Nach einer kurzen Einweisung, ihm war das Automatikgetriebe etwas suspekt, macht er einen ganz sicheren Eindruck:) Links fahren kann er ja! Etwa 325 km lagen vor uns. Erst ein kurzer Zwischenstopp an Eagle Bluff. Ich hatte große Hoffnung diesmal Haie zu sehen. Als ich vor einem Jahr schon mal hier war, habe ich leider keine gesehen. Aber alles bitten und betteln war vergeblich... Kein einziger Hai zeigte sich in der recht flachen Bucht, wo man ohne Probleme von oben vom Aussichtspunkt auf den Meeresgrund schauen kann. Warum die riesige Bucht um die Landzunge herum eigentlich Shark Bay heißt? Weil es hier sehr viele Haie gibt. Und die gibt es, weil hier sehr viele Seekühe leben. Diese wiederum leben hier weil in Shark Bay ungewöhnlich viel Seegras wächst. Seekühe fressen Seegras und Haie fressen Seekühe. Toll, alle sind glücklich! :) 
Ein weiterer Zwischenstopp war der traumhafte Shell Beach. Wie gestern schon erwähnt bestehen 120 km der Küste aus unzähligen Minimuscheln, die teilweise 4 m tief aufgehäuft sind. Und Shell Beach ist ein Stück davon. Endlos und wunderschön. Perfekt zum schwimmen eigentlich, nur leider wollte heute Morgen die Sonne noch nicht so richtig hinter den Wolken hervor. Und es war zu kühl. Auch wenn das hier sehr salzhaltige Wasser noch so lockte. Hin und wieder fing es den ganzen Vormittag zu nieseln an. Aber die paar Regentropfen waren nichts im Vergleich zu den Schauern von gestern. 
Auf der Strecke durch die unendlichen Weiten trällerte mal wieder Cat Stevens drauf los. Sein Best Of Album lief damals auf meiner Reise schon hoch und runter. Egal wo ich ihn höre, er wird mich immer an die hunderte kilometerlangen Fahrten durch karges, trockenes Land auf roten Staubstraßen und endlosen Highways erinnern. 
Im Wooramel Roadhouse legten wir einen kurzen Tankstopp ein. Mutti hat wieder 20 Sonnenhüte aufprobiert und konnte sich schließlich für einen entscheiden. Ein hellblauer Cowboyhut mit einer kleinen Zierkette aus Muscheln hat den Zuspruch bekommen:) 
Im sonnigen Carnarvon angekommen, unser Tagesziel war somit erreicht, haben wir uns auf den Weg zum Jetty gemacht. Der One Mile Jetty. Er wurde 1897 erbaut und ist mein absoluter Lieblingsjetty. Demnach habe ich auch wieder 17000 Fotos gemacht obwohl ich schon 19000 habe:))) 


Er ist sehr historisch mit zum Teil losen ungleich langen Bohlen und dicken Schrauben, die an einigen Stellen aus dem schon morschen Holz ragen. Eine kleine Lock rattert auf rostigen sehr krummen Schienen nach Bedarf im Schneckentempo bis ans Ende der Seebrücke. Der Jetty ist ein sehr beliebter Angelplatz und hätten wir etwas mehr Zeit würde auch ich mein Glück versuchen. Denn bei meinem letzten Aufenthalt Anfang September letzten Jahres hat mich fast der Wind vom Jetty geblasen sodass an Angeln leider nicht zu denken war. 

Jetzt sitzen wir gerade im Canarvon Caravan Park vor unserem Van und es fängt schon wieder an zu nieseln. Zum Abendessen gab es eine leckere Reispfanne mit Truthahn und jetzt noch ein Gläschen Wein. Da ich heute keinen Reisebericht mehr schreiben muss spielen wir jetzt noch eine Runde Carcassonne:) 

Mittwoch, 8. Mai 2013

Sehnsucht nach Australien

Am 1. Mai ging's wieder los. Dieses Mal mit meinen Eltern. Geplant ist eine kleine Exkursion durch meine Erlebnisse der letzten zwei Jahre entlang der Westküste Australiens von Perth nach Darwin. 
Nach einem 19 Stunden Flug mit Zwischenstopp in Singapur sind wir kurz vor Mitternacht am 2. Mai in Perth gelandet. Mit dem Airport Shuttle ging es zum Perth City YHA, ein tolles Hostel, wo wir uns für die ersten beiden Nächte eingebucht hatten. Hundemüde mussten wir nach dem check in nachts um 2:00 Uhr noch unsere Betten beziehen. 
Nach einer sehr erholsamen ersten Nacht, jedoch hatte es eine ganze Weile gedauert bis wir einschlafen konnten, wurden wir am Morgen unsanft von am Kopfkissen vorbeifahrenden Zügen geweckt. Das Hostel liegt leider direkt neben Bahngleisen aber dafür sehr zentral. Für meine Eltern muss es ein absolutes Highlight gewesen sein, in einem 4-Dorm im Doppelstockbett aufzuwachen und mit Kulturbeutel und Handtuch unterm Arm ins Gemeinschaftsbad zu schlürfen um dort die Morgentoilette zu verrichten... :) Frisch geduscht haben wir uns zu Fuß ins Stadtzentrum und auf die Suche nach etwas essbarem begeben. Im Brave Cafe gab es scrambled eggs on toast, omelette and eggs benedict, dazu einen Orangensaft und den ersten australischen Kaffee für meine Eltern - Long Black und Flat White...  Anschließend machten wir die Innenstadt unsicher. Unsere Erkundungstour führte auf Umwegen in den Kings Park, wo man eine herrliche
Aussicht über den Swan River und die Skyline von Perth hat. Auf einer Parkbank haben wir erstmal alle viere gerade sein lassen und die angenehm warmen Sonnenstrahlen genossen. Zurück in der Fußgängerzone haben meine Ellis 101 Sonnenhut in 20 verschiedenen Souvenirshops aufprobiert. Mein Papa konnte sich letztlich für einen entscheiden und sieht nun wie ein waschechter australischer Nationalpark Ranger aus. Am Abend habe ich Mirjam und Bill wiedergetroffen. Das englische Pärchen habe ich damals in Dunsborough kennen gelernt. Gemeinsam mit meinen Eltern waren wir im Restaurant Tom's Kitchen und nach anfänglichen Schwierigkeiten gab es viele interessante deutsch-englische Gespräche. 

Nach einer weiteren Nacht im Hostel und einem weniger spektakulären Frühstück, Meinem Papa ging es leider gar nicht gut, haben wir unsere sieben Sachen zusammen gepackt, die Betten abgezogen (für mich ist das ja nichts besonderes, aber für die etwas ältere Generation schon) und uns mit dem Bus auf dem Weg nach Redcliff gemacht um dort unseren Britz Campervan abzuholen. Als die Formalitäten erledigt waren, der Van nach offensichtlichen Mängeln gecheckt und uns liebevoll erklärt wurde, saß ich auch schon hinter dem Steuer und unser Abenteuer konnte beginnen. Zunächst ging es zurück zum Hostel wo wir unsere Koffer schnappten und anschließend fuhren wir nach Dunsborough, wo ich insgesamt ein Jahr in Bunker Bay in einem Restaurant eines 5* Resorts gearbeitet habe. Ich war schon so gespannt bekannte Gesichter wieder zu treffen. Nach einer kurzen Ortsbesichtigung, dann Dunsborough ist ja nicht sehr groß, entschieden wir uns für einen kleinen Spaziergang um den Leuchtturm von Cape Naturaliste, unweit von Bunker Bay. Anschließend haben wir uns recht umständlich, es war noch nichts organisiert, zum ersten Mal in unserem Campervan umgezogen und gesellschaftstauglich gemacht. Für 19.00 Uhr hatte ich uns einen Tisch im "The Other Side of the Moon" Restaurant reserviert. Und ich wurde schon erwartet. Es war ein absolut hammermässiger Abend. Ich hatte Austern, ein Rinderfilet und zum Nachtisch teilte ich mir eine Bombe Alaska mit meiner Mum. Matze, ein deutscher Koch und guter Freund den ich mittlerweile auch schon eine ganze Weile kenne, hat meinem Papa eine Kartoffelsuppe aus dem Hut gezaubert, da es ihm leider noch immer nicht besser ging. Raik, mein ehemaliger Boss, hat uns eine Flasche Chardonnay von Wills Domain offeriert. Er war bereits auf dem Nachhauseweg und ist nach einem kurzen Anruf wieder zurückgekommen und hat sich ein paar Minuten mit an unseren Tisch gesetzt. Ich fühlte mich wie ein Ehrengast. Wir bekamen einer super Service von einer meiner ehemaligen Lieblingskolleginnen. Und es war sooo toll bekannte Gesichter wieder zusehen. Ich wollte gar nicht wieder gehen. Auch in der Küche wurde ich herzlich begrüsst... 
Nach dem Essen fuhren wir zu 3 Deutschen, Jay, Willi und Matze, bei denen wir im Vorgarten campen durften. Meine Eltern richteten unseren Van nun zum ersten Mal für die Nacht her. Während ich mich noch auf eine kleine Hausparty, die glücklicherweise noch kurzfristig ins Rollen gekommen ist, begab. Ich erlebte einen unvergesslichen Abend. Gegen 3.30 Uhr quälte ich mich nun zum ersten Mal in mein Bett unters Dach. Bei 40-50 cm Höhe bleibt nicht wirklich viel Bewegungsfreiheit... 

Wir schreiben den 5. Mai.
Die erste Nacht im Campervan ist gut überstanden. Zunächst haben wir etwas Ordnung ins Chaos gebracht und den Van ein wenig besser eingerichtet. Dann gab es einen Pie auf die Hand sowie einen Coffee to go... Frisch gestärkt konnte der Tag starten. Mit vollem Kühlschrank ging es auf nach Busselton. Dort haben wir einen Spaziergang über den endlosen Jetty gemacht und legendäre Simmo's Ice Cream gegessen...
Am Abend, nach 390 km Fahrt, haben wir unser Lager auf der Moore River Bridge Rest Area aufgeschlagen. Meinen Eltern war der Rastplatz mit Plumpsklo und eigentlich noch so gar nicht in der Wildnis, denn gerade einmal am Rande von Perth gelegen, aber überhaupt nicht recht. Dennoch haben wir es überlebt und das ist ja wohl die Hauptsache. 

Nach einem ausgiebigen Frühstück packten wir wieder alles zusammen und setzten unsere Fahrt weiter gen Norden fort. Erstes Ziel des Tages war das Pinnacles Desert. Das Landschaftsbild wird von über ein weites Gebiet verstreuten, steil aufragenden Kalksteinnadeln geprägt, die durch das jahrtausendelange Zusammenspiel von Wind, Regen und Temperaturen entstanden sind. Zwischen den vielen bis zu 4 m hohen Säulen hindurch führt eine festgefahrene Sandpiste, die nur in eine Richtung befahren werden darf. In kleinen Buchten haben wir immer wieder angehalten um die teilweise bizarren Formen zu bewundern und sie als Kulisse für das ein oder andere Foto zu gebrauchen. Das nächste Ziel war Kalbarri. Zuvor haben wir noch einen kurzen Abstecher zum Lake Thetis im nahegelegenen Ort Cervantes, an dessen Ufern man Stromatoliten, die ältesten bekannten fossilen Lebewesen der Erde, bewundern kann und nach Jurien Bay gemacht. In Geraldton haben wir unsere Fahrt lediglich durch eine kleine Shopping Tour im Supermarkt und einen Tankstop unterbrochen. Gegen 19.30 Uhr haben wir endlich den Tudor Holiday Park in Kalbarri erreicht. Don und Tracey, die Manager des Parks, haben uns herzlich empfangen und uns einen Campingplatz mit privatem Bad sehr kostengünstig zur Verfügung gestellt. Ich kenne das australische Ehepaar noch von meiner Zeit auf der Farm in Cobram, Victoria. Dort haben wir zusammen Birnen und Pfirsiche geerntet. Später waren wir im Riverland in South Australia und haben dort Baum an Baum Orangen und Mandarinen geerntet. Nach der Saison sind die beiden nach West Australien weitergezogen und in Kalbarri hängen geblieben. Seit dem bin ich nun schon das dritte Mal zu Besuch. 

Gestern mussten wir etwas früher aufstehen, denn um Viertel vor Neun werden die Pelikane gefüttert. Bis jetzt habe ich es noch nie zu diesem täglichen Event an der Mündung des Murchison River geschafft. Es kamen aber nur drei hungrige Mäuler vorbei, die noch nicht einmal viel vom Fisch abbekamen, da die meist sehr kleinen Kinder nicht weit genug werfen konnten und somit eher die gefräßigen Seemöwen gefütterten. Zurück im Caravan Park haben wir erstmal gefrühstückt. Es hatte sich schlechtes Wetter für den Nachmittag angekündigt. Doch ich wollte meinen Eltern die Schönheit des Kalbarri Nationalparks zeigen, dessen Landschaft zu den Höhepunkten auf dem Weg nach Broome zählt. Erster Stopp war nach 27 km unbefestigter Straße, deren Oberfläche an ein Wellblechdach erinnert, das Natures Window. Ein riesiges Fenster im Felsen, das hoch über dem Murchison River aufragt. Von hier bietet sich ein toller Blick auf den Fluß. Außerdem ist es ein sehr beliebtes Fotomotiv. Weiter ging's zum Z Bend. Ein Aussichtspunkt mit ebenfalls fantastischem Blick auf die farbenprächtige, tief eingeschnittene Schlucht des Murchison Rivers. Wir hatten enormes Glück mit dem Wetter. Zwar hingen ziemlich viele Wolken am Himmel, die die Sonne immer wieder vertrieben, aber vom angesagten Unwetter war weit und breit nichts zu sehen. Ganz ohne Wolken hätten wir es jedoch auch nicht ausgehalten. Denn dann wäre das Thermometer sicher bis zur 40 Grad Marke geklettert. Also nutzten wir den unerwartet trockenen Nachmittag um uns die sehr vielseitige Küstenlandschaft von Kalbarri anzuschauen. Kurze Stichstrassen führen zu Aussichtspunkten, die spektakuläre Blicke auf die Steilküste erlauben. Nach unzähligen Fotostopps wurden wir langsam müde und Hunger bekamen wir auch. Ein kleines BBQ mit Don und Tracey stand noch auf dem Programm. Also machten wir uns mit einer Flasche Wein im Gepäck wieder auf den Weg in den Caravan Park. Aus dem Grillabend wurde aber leider nichts. Don hatte sich bei seiner Arbeit den Rücken verletzt und lag schon im Bett. Kurzerhand haben wir unsere Känguruhspieße und Bratwürste selbst auf einem für Australien typischen Gasgrill, der im Park vorhanden ist, gebrutzelt und mit lecker Salat und einem Gläschen Riesling genossen. Kaum hatten wir unser Geschirr abgewaschen fing es an wie aus Eimern zu schütten. In Windeseile mussten wir alles wetterfest verstauen. Die Nacht war sehr unruhig und stickig, da wir aufgrund des Wetters kein Fenster öffnen konnten. Außerdem trommelte der Regen aufs Dach was mich in meinem Bett direkt unter der Decke noch eine ganze Weile am Einschlafen hinderte...

Heute Morgen haben wir uns gegen 8.00 Uhr aus den Betten gequält. Der Regen hatte kurzzeitig nachgelassen, was Mutti dazu veranlasste den Frühstückstisch draußen zu decken. Jedoch ohne Erfolg. Im Handumdrehen saßen wir wieder drinnen. Ein weiterer Regenguss. Dieses stürmische nass kühle Wetter sollte uns noch den ganzen Tag bis nach Denham begleiten. Schweren Herzens musste ich mich wieder einmal von Don und Tracey verabschieden. So schnell werde ich sie wohl nicht wieder sehen. Frisch betankt fuhren wir non-stop vorbei am Overlander Roadhouse bis nach Hamelin Pool, einer alte Telegraphenstation. Diese wurde 1884 erbaut und diente als Übertragungsstation für die Telegrafenleitung von Perth nach Roebourne. Die Station liegt direkt am 120 km langen Strand der nur aus Muschelablagerungen besteht. Die winzigen Kalkschalen sind teilweise bis zu 4 m tief aufgeschichtet. Früher nutzte man die kompakt gepressten Muscheln zum Hausbau in der Region. Ein erneuter Regenguss trieb uns zurück ins Auto und wir fuhren weiter bis nach Denham. Das Wetter hielt uns von weiteren Zwischenstopps entlang der Shark Bay ab. Die letzten 60 km strahlte mich unsere Tanklampe schön grell orange an. Ich war mir ziemlich sicher noch weitere 50 km fahren zu können aber 60? An der Tankstelle angekommen passten exakt 60 Liter in den Tank... War da überhaupt noch was drin? Naja, anschließend war mir alles egal und ich wieder zu jeder Schandtat bereit... 
Gegen 15.00 Uhr checkten wir in das Denham Seaside Tourist Village, ein Caravan Park den uns Tracey empfohlen hatte, ein. Anschließend machten wir uns zu Fuß auf eine kleine Erkundungstour entlang der Küste bis wir abermals von einem Regenguss überrascht wurden... Heute Abend wird nicht mehr viel passieren. Vielleicht gibt es nachher noch ein Gläschen Wein. Heute heißt es zeitig schlafen gehen, denn morgen müssen wir früh raus um rechtzeitig zur Delphinfütterung im 25 km entfernten Monkey Mia zu sein.