Mittlerweile haben wir uns mehr oder weniger häuslich eingerichtet. Basti hat unseren Stellplatz begradigt, damit wir Nachts nicht im Bett hin und her kullern und Strom liegt jetzt auch bis zur Beifahrertür. Rob's Vorgarten gleicht immer mehr einem Caravanpark... es sind noch Tracy und Donald, ein endvierziger australisches Ehepaar, dass wir in Cobram kennengelernt haben, hinzu gekommen. Wir wohnen nun also zu sechst unter einem Sternenhimmel, ein Dach über dem Kopf haben wir ja nicht wirklich:').
Und Haustiere hatten wir auch schon. Vorgestern Nacht, Basti und ich lagen im Bett, nagte irgendwas unter unst. Dann raschelte es und rannte im Van auf und ab. Basti fand keine Ruhe und ging auf die Suche. Bei eisiger Kälte schälte er sich aus dem Bett und stellte die ganze Karre auf den Kopf. Da er nichts fand, beschloss er aus Rob's Hütte eine Mausefalle zu holen, denn davon hat es reichlich. Mit einem Stück Schokolade haben wir unseren kleinen Nager 10 Minuten später erlegt. Schade um die Maus... aber nun hatten wir unsere Ruhe, dachten wir jedenfalls. Es knabberte und raschelte weiter. Noch eine Maus. Falle geleert und neu mit Schoki gefüllt war auch dieser kleine Störenfried schnell beseitigt. Eine reicht halt nicht... in unserem Van hat es wenn schon gleich zwei:). Und heute Morgen hatten wir noch eine. Wir sollten vielleicht darüber nachdenken uns einen kleinen Kater zuzulegen...
Heute haben wir frei. Das Verpackungslager hat keine Aufträge gegeben aber das Wetter hätte uns sowieso arbeitslos gemacht. Die letzten beiden Tage haben wir Mandarinen, Daisys genannt, geerntet. Doch diese kleinen Dinger können einen ganz schön verzweifeln lassen. Es dauert ewig bis so ein Bin, wo ca. eine halbe Tonne Platz hat, voll ist. Und die Mandarinen kann man nicht so ohne weiteres Pflücken, nein man muss jede einzelne vom Baum schneiden... Glücklicherweise hat es von den Daisys nicht so viele und hoffentlich können wir bald die restlichen Navel Orangen strippen... die schmecken eh viel besser:').
Freitag, 27. Mai 2011
Montag, 23. Mai 2011
Umzug
Nach einem ruhigen Wochenende ging es heute mal wieder an die Arbeit. Ein richtig guter Tag zum Orangen pflücken, dachte ich mir. Doch bereits nach 2 Stunden machte uns ein Regenguss arbeitslos. $ 57,00 konnte ich in der kurzen Zeit immerhin erwirtschaften:') Schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden wir fast weggespült und das Prasseln des Regens auf das Dach unseres Vans hat eine gemütliche Nachtruhe nahezu unmöglich gemacht. Gestern wurden wir fast vom Winde verweht und irgendwie ist noch keine Wetterbesserung in Sicht. Hier und da kommt mal die Sonne durch, bis die Wolken wieder die Überhand gewinnen...
Vorhin gab es lecker Kuchen und eine Tasse Kaffee, während wir auf das Trocknen unserer Wäsche gewartet haben und nachher werden wir die Zelte auf unserem angestammten Campingplatz abbrechen. Es wartet ein riesiger Berg Abwasch und unser Duschzelt sollten wir auch noch von den unzähligen Spinnennestern befreien, die sich in den letzten 4 Wochen eingenistet haben, bevor wir es wieder unter unserer Rücksitzbank verstauen. In Zukunft gibt es eine schöne heiße Dusche nach der Arbeit:'). Juhuuu! Wir ziehen zu Rob, unserem Tracktorfahrer und ehemaligem Vorarbeiter in Victoria. Er hat eine etwas bessere Blechscheune unweit der Farmen, wo wir ernten. William, ein Franzose, den wir auch schon von der Cornish Farm in Cobram kennen, hat sich ebenfalls in Rob´s Vorgarten in einem Wohnwagen eingenistet. Und gestern Abend, welch Freude, sind Dan und Christopf, ein Neuseeländer und ein Deutscher, diese beiden haben auch in Cobram gearbeitet, vorbei gekommen. Sie werden wahrscheinlich ein Zelt aufschlagen... Es kommt also mal wieder ein bisschen Leben auf:').
Der Hausmeister vom Campingplatz wird sich freuen, dass die nervigen Würfelspielbegeisterten endlich verschwinden. Obwohl wir doch unsere Aufenthaltsgenehmigung bis zum 18. Juli bekommen haben. Vielleicht drücken wir ihm zum Abschied ein paar Orangen in die Hand:'). Vermissen werden wir nichts, weder die riesigen, vogelgroßen Motten, im Klohäuschen, noch die Spinnen, die sich gerne über unserem Tisch vom Baum gehangelt haben, und uns so manchen Abend einen ordentlichen Schrecken eingjagt haben. Nur unser Possum. Davon hatte es einige. Wenn es dunkel wird, kommen sie aus ihren verstecken und jagen sich über die Bäume. Eines von ihnen ist in den letzten Tagen richtig handzahm geworden und ließ sich im Tausch gegen eine Scheibe Brot sogar streicheln... Richtig süß und sooo weich:'), wenn es einem mit seinen riesen großen runden Kulleraugen anschaut und das Brot hörbar, es schmatzt ganz schön, genießt...
Vorhin gab es lecker Kuchen und eine Tasse Kaffee, während wir auf das Trocknen unserer Wäsche gewartet haben und nachher werden wir die Zelte auf unserem angestammten Campingplatz abbrechen. Es wartet ein riesiger Berg Abwasch und unser Duschzelt sollten wir auch noch von den unzähligen Spinnennestern befreien, die sich in den letzten 4 Wochen eingenistet haben, bevor wir es wieder unter unserer Rücksitzbank verstauen. In Zukunft gibt es eine schöne heiße Dusche nach der Arbeit:'). Juhuuu! Wir ziehen zu Rob, unserem Tracktorfahrer und ehemaligem Vorarbeiter in Victoria. Er hat eine etwas bessere Blechscheune unweit der Farmen, wo wir ernten. William, ein Franzose, den wir auch schon von der Cornish Farm in Cobram kennen, hat sich ebenfalls in Rob´s Vorgarten in einem Wohnwagen eingenistet. Und gestern Abend, welch Freude, sind Dan und Christopf, ein Neuseeländer und ein Deutscher, diese beiden haben auch in Cobram gearbeitet, vorbei gekommen. Sie werden wahrscheinlich ein Zelt aufschlagen... Es kommt also mal wieder ein bisschen Leben auf:').
Der Hausmeister vom Campingplatz wird sich freuen, dass die nervigen Würfelspielbegeisterten endlich verschwinden. Obwohl wir doch unsere Aufenthaltsgenehmigung bis zum 18. Juli bekommen haben. Vielleicht drücken wir ihm zum Abschied ein paar Orangen in die Hand:'). Vermissen werden wir nichts, weder die riesigen, vogelgroßen Motten, im Klohäuschen, noch die Spinnen, die sich gerne über unserem Tisch vom Baum gehangelt haben, und uns so manchen Abend einen ordentlichen Schrecken eingjagt haben. Nur unser Possum. Davon hatte es einige. Wenn es dunkel wird, kommen sie aus ihren verstecken und jagen sich über die Bäume. Eines von ihnen ist in den letzten Tagen richtig handzahm geworden und ließ sich im Tausch gegen eine Scheibe Brot sogar streicheln... Richtig süß und sooo weich:'), wenn es einem mit seinen riesen großen runden Kulleraugen anschaut und das Brot hörbar, es schmatzt ganz schön, genießt...
Freitag, 20. Mai 2011
Schon 4 Monate...
Heute vor 4 Monaten bin ich in Sydney angekommen und krebse nun seither durch Down Under:’)
In den letzten Wochen ist ein wenig Ruhe eingekehrt.
Zurück in Nuriootpa hatte es zunächst noch genug Arbeit für uns, so jedenfalls die vorläufige Prognose. Nach ein paar Tagen der erfolgreichen Traubenernte sah die Vorhersage für die kommende Woche jedoch schon wieder nicht mehr sooo rosig aus. Als jenen Mittwoch tatsächlich und völlig unverhofft Roger von der Appelina Hills Plantage anruft, er habe Arbeit für uns. Wir sollten gleich am nächsten Tag anfangen, konnten uns aber auf Freitag einigen. Denn so hatten wir noch genug Zeit, Mark unsere Kohle aus dem Kreuz zu leiern und unsere Zelte im Barossa Valley abzubrechen. Nach der Arbeit, im Hause der anderen Erntehelfer noch eine ausgiebige warme Dusche genommen und mit Mark abgerechnet, fuhren wir in die Adelaide Hills nach Forrest Range. Unweit der Farm fanden wir einen Platz zum Schlafen. Und pünktlich 7.30 Uhr standen wir am nächsten Morgen auf der Farm parat. Roger kam wieder mit seinem Moped angeknattert, stattete uns mit Pflücksack und Gummistiefeln aus, und wies uns an ihm zu folgen. Wir parkten unseren Van direkt neben den Äpfelbäumen mit den Golden Delicious, die wir zu ernten hatten. Von dort aus hatte man eine herrliche Sicht über die Hügel, in dessen Tälern sich an diesem sehr kalten Morgen der Nebel wie Watte verfing. Nachdem wir kurz die Aussicht genossen hatten ging es ans Eingemachte. Äpfel lassen sich auf ähnliche Art und Weise wie Birnen pflücken. Die Bäume waren jedoch nicht ganz so hoch und die Leitern, aus Aluminium diesmal, leicht und handlich. Äpfel müssen aber im Vergleich zu Birnen und Pfirsichen sehr behutsam behandelt werden, denn sonst bekommen sie unerwünschte Druckstellen. Sie lassen sich demnach nicht so schnell pflücken. Aber wir wurden sowieso nach Arbeitsstunden bezahlt.
Roger war ein sehr netter und gleichzeitig sehr schüchterner Mensch, der absolut nicht in der Lage war einen Satz zu Ende zu sprechen oder eine Anweisung klar zu definieren. Er wollte, dass wir die Äpfel wie Glaskugel behandeln, konnte uns das aber nicht mitteilen, weil er eben so war wie er war. Wir waren ihm anscheinend zu rau im Umgang, obwohl wir guten Gewissens unser Bestes gaben. Nach der Mittagspause versetzte er uns in einen anderen Block mit Fujis. Die Golden Delicious waren ihm zu heilig und die Fujis wohl einfacher zum Ernten. Dort pflückten wir gemeinsam mit seinem Sohn, dem Basti bezüglich des Apfelanbaus unzählige Löcher in den Bauch fragte. Er wollte alles wissen. So erfuhren wir zum Beispiel, dass die Äpfel im Sommer mit einer Art Sonnencremé besprüht werden. Hm.. auch die können Sonnenbrand bekommen:’) Rodneys interessante Geschichten ließen den Nachmittag recht schnell vergehen und gegen 16.30 Uhr wurde der Feierabend eingeläutet. Rodney war, im Gegensatz zu seinem Vater, ganz zufrieden mit unserer Arbeit. Was jedoch nichts an der bedrückenden Stimmung und unserem Unwohlsein änderte. Am nächsten Tag ging es mit Granny Smith weiter. Doch wir wurden das Gefühl nicht los, dass Roger mit unserer Arbeitsweise nicht zufrieden war. Kurz vor Mittag kam er, schaute in die Bins und bemerkte, dass die Äpfel wohl noch etwas zu grün aussehen würden. Nach kurzer Überlegung teilte er uns mit, dass sich die Apfelernte nun doch noch ein wenig verschiebt und er sich wieder bei uns meldet - was er sowieso nicht machen wird und uns auch ganz recht war. Kurze Zeit später, wir hatten uns zwischenzeitlich wieder für die Zivilisation hergerichtet, übergab er uns 2 Kuverts mit je $ 200,00. Anschließend verließen wir die Hills und fuhren nach Adelaide.
Am Abend entschieden wir uns für ein thailändisches Restaurant in Chinatown, nachdem Basti schon den ganzen Tag von asiatischem Essen gesprochen und mir entsprechend Appetit gemacht hatte. Wir saßen draußen, zwischen Fußweg und Straße, am einzigen freien Tisch und studierten die Speisekarte. Ein mittvierziges australisches Ehepaar am Nachbartisch erkannte sehr schnell, dass für uns nur böhmische Dörfer in der Karte standen und gaben uns Tipps. Margot und Rolf essen wahnsinnig gerne thailändisch und kannten sich daher mit der Materie aus. Wir kamen mit den beiden ins Gespräch und bestellten entsprechend den Empfehlungen unser Essen. Unterdessen klingte sich auch der Herr vom Nachbartisch der anderen Seite mit ins Gespräch ein. Er fragte mich nach Zettel und Stift. Ich gab ihm meine Serviette und so schrieb er einige sehenswerte Dinge über Adelaide nieder, die wir auf keinen Fall auslassen sollten. Kurz darauf kam seine Begleitung zurück, er verabschiedete sich freundlich und wünschte uns eine schöne Zeit. Margot ergriff die Serviette und vervollständigte die Liste mit Tipps über South Australia und Western Australia. Wir genossen einen sehr schönen geselligen Abend. Die Speisenauswahl war gut, doch Basti und ich beschlossen einstimmig, dass die thailändische Küche nicht zu unseren Favoriten gehört. Margot und Rolf luden uns auf ein Dessert ein wenig später verabschiedeten sich die beiden ebenfalls mit den besten Wünschen. Rolf besteht auf eine Email mit einem kurzen Bericht über den Uluru und Alice Springs…
Die nächsten Tage ist nicht wirklich viel Spannendes passiert. Wir machten einen Abstecher zum Maslin Beach. Ein sehr schöner langer Sandstrand, den uns Margot und Rolf empfohlen hatten. Er ist etwas südlich von Adelaide gelegen und offensichtlich ein beliebtes Ziel für ausgedehnte Spaziergänge. Auf einem der Parkplätze trafen wir die Vorbesitzer von Eddy an - toll wie die in Frankreich sind… Innerlich kochend stiegen wir aus, lächelten nett, genossen die Aussicht und fuhren weiter. Ein Gespräch hätte hier sowieso nichts genutzt und unser Auftritt war sicher aussagekräftig genug;)
Zwei Tage lang genossen wir nun also die Ruhe in Maslin Beach und Umgebung. Zugegebenermaßen war es für mich schon fast ein wenig zu ruhig…
Zwischenzeitlich gab es Neuigkeiten von Rob, unserem Vorarbeiter auf der Cornish Farm in Cobram. Wir hatten immer mal wieder Kontakt auf Facebook. Er war nach der Saison in Victoria ins Riverland nach South Australia zurückgekehrt. Dort besitzt er ein Haus, welches er vermietet hat, und wohnt in einer Art Schuppen. Seit Jahren hat er dort zur Orangensaison einen Job als Tracktorfahrer. Und so wie es aussah hatte er einen Job für uns. Die Saison sollte nach Ostern, Anfang Mai, so langsam losgehen. Er empfahl uns, bis Ende April bei ihm vorbeizukommen um Nägel mit Köpfen zu machen. Denn der Job ließe sich nicht auf Zuruf halten. Am 21. April haben wir uns also auf den Weg ins Riverland gemacht. Auf halber Strecke haben wir in Swan Reach einen Campingplatz als Nachtlager aufgesucht und sind am nächsten Morgen weitergefahren. Ziel war Berri, wo wir uns mit Rob treffen wollten. Loxton war der nächste Ort in knapp 100 km Entfernung. Unsere Tankanzeige neigte sich schon bedrohlich dem Ende entgegen. Es war Karfreitag und weit und breit keine Menschenseele. Die auf der Karte eingezeichneten Orte, entlang unserer Route, stellten sich als kleine Siedlungen bestehend aus einer Hand voll Häuser OHNE Tankstelle heraus. Wir fuhren und fuhren und die Nadel näherte sich unaufhörlich dem „E“. Bis plötzlich, es ging nichts mehr - der Tank war leer:’( Ca. 30 km vor Loxton kamen wir zum Stehen. Kanister hatten wir keinen mehr, also machten wir uns, lediglich mit einer kleinen Flasche Wasser und etwas Geld bewaffnet, zu Fuß auf den Weg… Keine 5 Minuten später, ein älteres Ehepaar hielt an und erkundigte sich ob wir Hilfe benötigten. Wir erklärten unsere Situation und stiegen ins Auto. Im nächsten kleinen Ort, der sich wieder nur als kleine Ansiedlung vereinzelter Häuser herausstellte, versuchten wir unser Glück. Doch das Pup, vor dem sich eine etwas verlassene Tanksäule befand, hatte leider geschlossen. Unser Fahrer klopfte an eine Haustür und erkundigte sich nach der nächsten Möglichkeit Benzin aufzutreiben. Loxton war das Schlüsselwort. Also rin ins Auto und weitergefahren. An der zum Karfreitag glücklicherweise offenen BP-Tankstelle ließen uns die beiden raus. Dort kauften wir einen Kanister, den wir sogleich betankten. Wir liefen zurück in Richtung Landstraße auf der Hoffnung jemanden zum Anhalten bewegen zu können, der uns wieder zu Eddy zurück bringt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite versuchten ebenfalls zwei Reisende mit allerhand Gepäck eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Doch wieder keine 5 Minuten später hielt ein einzelner, etwas wüster Herr für uns an. Wir hatten Glück! Der Weg zu Eddy lag nicht so ganz auf seiner Route, doch ohne lange zu überlegen fuhr er uns die 30 Kilometer wieder zurück. Er warte bis wir den Tank aufgefüllt hatten und als Eddy ansprang fuhr er von Dannen. Auch wir setzten unsere Fahr fort, tankten in Loxton auf und fuhren weiter nach Berri, wo wir schließlich auf Rob trafen. Ein fröhliches Wiedersehen. Er zeigte uns wo er wohnte und machte uns mit den Orangenbäumen, die uns für die nächsten Wochen mit Arbeit versorgen sollten, vertraut. Nach Ostern sollte es mit der Ernte beginnen. Die Hauptsaison startet im Juni, aber im Mai gebe es schon die ersten reifen Orangen.
Wir entschieden uns über Ostern nicht durch die Weltgeschichte zu reisen und suchten nach einem idyllischen Campingplatz in der Gegend - gar nicht so einfach! Viele Rastplätze mit schöner Aussicht und Toiletten waren 1. schwer zu finden und 2. abgesoffen, da der Murray River, der sich auch hier durchs Riverland schlängelt, bereits seit Wochen extrem angeschwollen ist:’( Nach zig Kilometern von Westen nach Osten in den Süden und wieder zurück hatten wir endlich ein lauschiges Plätzchen gefunden. Wir ließen uns häuslich nieder und verbrachten so das recht warme und sonnige Osterwochenende.
Anfang der Woche machten wir uns zurück auf den Weg nach Berri. Dort suchten wir ebenfalls einen Campingplatz auf, den wir mittlerweile immer noch bewohnen. Den Martins Bend Camping Ground. Sogar einen Caretaker, einen Hausmeister, hat es da. Und bleiben darf man nur maximal 30 Tage, was wir aber inzwischen auch schon amtlich geklärt haben:’)
Die ersten Arbeitstage ließen nicht lange auf sich warten. Die ersten Navel Orangen, hmm yummy!!!, warteten darauf vom Baum geholt zu werden. Doch Garry, der Manager, entschied unterdessen, das diese noch ein wenig brauchten. Also war nach zwei Tagen die Sache vorerst auch schon wieder erledigt. Und so geht das nun schon die letzten drei Wochen. Die Orangen wollen und wollen nicht so richtig Farbe annehmen. Zwischendurch haben wir nach Auswahl pflücken müssen, was heißt nur die orangenen Früchte zu ernten. Doch auch das wurde wieder eingestellt. Spätestens nächste Woche soll es aber richtig losgehen. Denn dann sind wohl auch schon die ersten Mandarinen reif:’). Und mehr Geld gibt es dann auch, juhuuu - dann klingeln wieder die Dollarzeichen:p.
Die freien Tage haben wir seither auf dem Campingplatz verbracht.
Am Abend gibt es meistens ein kleines Lagerfeuer und dann wird bis in die Puppen gekniffelt… unsere Würfel sind schon ganz rund;). Letztes Wochenende haben wir noch mal, da wieder keine Arbeit in Aussicht war, den Weg in Richtung Adelaide angetreten. Am Abend waren wir bei unserem Lieblingschinesen, den wir die letzten Male ausfindig gemacht hatten und fuhren nochmals zum Maslin Beach. Basti war es ein Bedürfnis nochmals da gewesen zu sein. Im gleichen Aufwasch machten wir einen kleinen Abstecher nach McLaren Vale, einem sehr gemütlichen kleinen Örtchen, das uns ebenfalls Margot und Rolf empfohlen hatten. Und am Sonntag fuhren wir nebst einem kleinen Abstecher zum Mount Lofty, von wo man eine herrliche Sicht über Adelaide und Umgebung hat, wieder retour ins Riverland...
Heute ist noch nicht viel passiert. Später werden wir uns bei Kevin, unserem Auftraggeber, unsere paar Kröten von dieser Woche abholen und dann wieder die Idylle des Campingplatzes aufsuchen und bei einer Tasse Kaffee noch ein paar Würfel kloppen:').
Dienstag, 12. April 2011
South Australia
Wir befanden uns auf dem Weg Richtung Adelaide. Es wurde schon dunkel und so beschlossen wir eine Rest Area aufzusuchen um unsere Cordon Bleus in die Pfanne zu hauen. Eine wirklich leckere und willkommene Abwechslung zu Nudeln mit Tomatensauce. Nach dem Essen fuhren wir weiter. Das Radio streikte schon auf der ganzen Fahrt. Es war absolut nicht möglich einen vernünftigen Sender zu empfangen, auf dem kein Hörbuch lief oder rund um die Uhr Nachrichten gesendet wurden. Wir switchten auf die AM Welle um, auf welcher wir wenigstens Musik empfingen. Die Qualität lies zwar extrem zu wünschen übrig und noch dazu kam sie aus einem Zeitalter, in dem man noch Faltenröcke trug. Aber wir waren dankbar. Etwa 100 km vor Adelaide, es war schon nach 2 Uhr, beendeten wir schließlich die Fahrt und schlugen unser Nachtlager auf. Als wir aufwachten schien die Sonne und es war angenehm warm. Welch Freude nach der Kälte, die bereits in Victoria Einzug gehalten hatte. Das erste Mal kramten wir Tisch und Stühle hervor und frühstückten in aller Gemütlichkeit in der Sonne. Es gab Spiegelei und alles was das Herz begehrt. Frisch gestärkt und voller Hoffnung fuhren wir in die Adelaide Hills auf der Suche nach einem Apfelerntejob. Wir kamen nach Hahndorf. Klingt ziemlich deutsch und ist auch irgendwie deutsch. Hier und da hängt eine deutsche Flagge. Es gibt Geschenkeshops mit Kuckucksuhren und allerlei Tünnef, einen Puppenladen und in den Restaurants möchte man deutsche Gerichte anbieten, was leider nur teilweise gelungen ist, da die Grenze zu Polen kaum erkennbar ist. In der Touristeninformation wurden wir mit einer Karte ausgestattet und erhielten wenig brauchbare Tipps über die ersten Anhaltspunkte bei unserer Jobsuche. Der mürrische alte Mann hinter dem Schreibtisch zeigte nur wenig Elan bei der Hilfe. Eine etwas jüngere Dame drückte uns ein A4 Blatt mit allen Telefonnummern, der in den Adelaide Hills ansässigen Apfelplantagen in die Hand, die ich zurück im Auto angekommen, alle abtelefonierte. Einige der Nummern kamen uns bereits bekannt vor, denn wir hatten schon vorweg das Internet nach Farmen abgegrast und bis dato wenig Erfolg gehabt. Viele der Telefonate blieben unbeantwortet, einige erfolglos und wieder andere, die selbst keine Arbeit zu bieten hatten, erklärten uns, wo wir es noch versuchen sollten. Das Resultat: unbefriedigend. Da wir diese Niederlage nicht tatenlos hinnehmen wollten machten wir uns auf den Weg um die einzelnen in Frage kommenden Farmen persönlich aufzusuchen. So bahnten wir uns den Weg durch die Adelaide Hills bis nach Lenswood, der Apfelhochburg. Hier liegen die Apfelplantagen dicht an dicht. Apfelbäume wohin das Auge reicht. Wir probierten unser Glück im Kühllager und klopften an sämtliche Haustüren und boten unsere Hilfe an. Doch niemand brauchte uns. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ernte einer etwa 2-3 wöchigen Pause unterliegt, denn die Hauptsaison beginne wohl erst Mitte bis Ende April.
Nächster Halt, die Haustür der Appelina Hills Plantage. Dort hatten wir ebenfalls vorweg versucht telefonischen Kontakt aufzunehmen. Eine nette Dame erklärte uns, sie wisse nicht genau, ob noch Erntehelfer gebraucht werden und ihr Mann sei erst am Nachmittag wieder anzutreffen. Also probierten wir auch dort unser Glück persönlich. An der dritten Haustür, die ersten beiden blieben verschlossen, trafen wir auf eine der Töchter. Auch sie konnte uns keine genaueren Auskünfte geben, rief aber ihren Vater an, der wenig später mit seinem Moped herbeigeknatte aber er melde sich in ein bis zwei Wochen bei uns. Zum Abschied drückte er uns ein paar Äpfel frisch vom Baum in die Hand. Hmm… waren die lecker!
Auch die weitere Suche brachte nicht mehr Erfolg. Ein freundlicher Traktorfahrer des Smith Gully Orchards erklärte uns den Weg zu seiner Chefin. Am Kreisverkehr, nach dem Coles Supermarkt, sollten wir die dritte Ausfahrt nehmen, um in der ersten oder zweiten Querstraße links, wo ein grünes Auto stehen sollte, Susi zu finden. Doch nach viel zu vielen Querstraßen, noch mehr grünen Autos und noch weniger Susis stellten wir die Suche ein und fuhren weiter gen Norden ins Barossa Valley, nach Nuriootpa. Denn es wartete noch ein Ass im Ärmel. Am Vormittag, nachdem ich sämtliche Plantagen angerufen hatte, versuchten wir es auch bei der nationalen Harvestline (Erntehotline). Die freundliche Dame am anderen Ende gab uns die Telefonnummer von Mark, der noch Leute zum Traubenernten suchte. Kurzerhand riefen wir Mark an und schuppdiwupp hatten wir den Job für den nächsten Morgen sicher.
In Nuriootpa angekommen, stellten wir uns auf einen ruhigen Parkplatz mit Toilettenhäuschen und schlugen unser Nachtlager auf. Nach einem schnellen Frühstück fanden wir uns überpünktlich um 7.00 Uhr in der Old Kapunda Road 23, vor einem verkauften Haus, ein.
Ein freundlicher Tankstellenwart hatte uns am Vorabend noch erklärt, wo wir diese Straße finden und glücklicherweise hatte ich diesen auch gleich noch nach der aktuellen Uhrzeit gefragt, denn ich war mir bezüglich der Umstellung von Winter- auf Sommerzeit, wie in Europa, unsicher. Aber in Australien wird ja Winter und nicht Sommer. Also eher die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit. Aber die kam dann 1 Woche später:’) Jedenfalls wären wir sonst viel zu früh dagewesen und dank dem netten Typen konnten wir eine halbe Stunde länger schlafen;). Denn South Australia hat zu Victoria eine halbe Stunde Zeitverschiebung.
Ein bärtiger Mittvierziger in einem blauen Pickup stellte sich als Mark, unser Boss, heraus. Kurze Zeit später folgten wir ihm in einer Kolonne aus weiteren Backpackern zur Farm. Dort angekommen wurden wir mit einer Schere (ähnlich einer Rosenschere) und einem Eimer ausgestattet. Die Arbeit konnte beginnen. Schnipp schnapp, schnipp schnapp… Aufgrund der Tatsache, dass wir nach Stundenlohn bezahlt wurden, mit $ 15,22 pro Stunde, zog sich der Tag wie Kaugummi. Bei Akkordarbeit ist das anders. Man verliert sämtliches Zeitgefühl und der Tag ist weg wie nichts. Man ist einfach nur damit beschäftigt so schnell wie möglich so viele Bins wie möglich zu füllen.
Von Rückenschmerzen geplagt, die Trauben hängen aber auch auf einer doofen Höhe, neigte sich auch dieser Tag irgendwann seinem Ende. Nach Feierabend suchten wir erfolglos nach einer Duschmöglichkeit. Wir mussten uns beeilen, denn Michi, ein ehemaliger Arbeitskollege aus der Schweiz und sehr guter Freund hatte sich zu Besuch angemeldet. Er war bereits am Vormittag in Adelaide gelandet. Einige Zeit später, als abgemacht, trafen wir in Adelaide ein. Adelaide ist keine so große Stadt wie Sydney oder Melbourne aber dafür nach meinem Geschmack viel schöner. Und wenn man das Straßensystem einmal erkannt hat, findet man sich auch relativ schnell zurecht…
Michi hatte sich ins YHA Central, eines der schönsten Hostels in dem ich bis jetzt übernachtet habe, eingebucht. Also hielt auch ich Ausschau nach einem Bett. Basti konnte uns leider keine Gesellschaft leisten, da sich große Ebbe in unserer Reisekasse auszubreiten versuchte und er daher diese Zeit ziemlich erfolgreich der Traubenernte widmete. Irgendwie war die ganze vermasselte Angelegenheit auf meinem Mist gewachsen, denn ich ging davon aus, dass Michi Ende April zu Besuch kommen würde, und fiel aus allen Wolken als er am Samstag am Telefon meinte, sein Flug ginge morgen Mittag und dann sehen wir uns Dienstag…, ich war platt:’) Na ja, kann passieren… der Zeitplan wurde halt etwas abgeändert… hier in Australien alles kein Problem;).
Jedenfalls checkte ich im YHA Central in der Waymouth Street ein, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, da der check-in Prozess eine gute halbe Stunde dauerte. Basti und ich nahmen erst einmal unsere wohl ersehnte Dusche und wechselten unsere Pflückklamotten gegen großstadttaugliche Kleidung. Anschließend trafen wir auf Michi. Ein schönes Gefühl, so fernab am anderen Ende der Welt ein vertrautes Gesicht zu sehen:’).
Ins Gespräch vertieft, schließlich mussten erstmal alle Neuigkeiten ausgetauscht werden, machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Die Entscheidung fiel auf ein italienisches Restaurant. Auf dem Weg dahin unterhielt uns Basti mit einem kleinen Ständchen am Klavier. Mit der Aufschrift „Play me, I am yours“ stehen mitten in den Fußgängerzonen von Adelaide einige davon herum… Wir löcherten Michi und wollten alles erfahren was sich in den letzten 3 Monaten auf der anderen Seite des Erdballs so ereignet hatte. Demnach verging der Abend wie im Flug. Basti verbschiedete sich und machte sich zurück auf den Weg nach Nuriootpa, um am nächsten Morgen wieder pünktlich 7.00 Uhr in der Old Kapunda Road parat zu stehen. Michi und ich suchten ein Pup auf, was sich in diesem Teil der Stadt als etwas schwierig heraus stellte, denn Adelaide schien schon gegen 21.00 Uhr die Bordsteine hochgeklappt zu haben. Aber so ist das eben, wenn man sich nicht richtig auskennt. Endlich eins gefunden gesellten wir uns zu vier Australiern, die schon gut einen gebechert hatten. Die beiden befreundeten Pärchen, im Alter von schätzungsweise um die 40, kamen aus New South Wales und waren in Adelaide um die bestanden Prüfungen der Frauen zu feiern. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Eine der beiden Damen, deren Mann schon gar nicht mehr viel zu sagen hatte, da er auf seinem Hocker immer wieder in Sekundenschlaf viel, steckte Michi nach Kanada und mir gab sie einen Namen, den ich leider wieder vergessen habe. Mit Ross ging ich eine kleine Wette ein und viele Gespräche später entschieden wir uns zu Gehen. Bevor wir uns trennten und sich der schöne Abend dem Ende zuneigte, kippte die Dame, deren Mann nun mittlerweile am Tisch ganz eingeschlafen war, aus den Latschen, doch glücklicherweise stand ja der Kanadier direkt neben ihr um sie aufzufangen – die war vielleicht betrunken:’).
Ich verabrede mich für den nächsten Morgen mit Michi in der Lobby des Hostels. Endlich mal wieder in einem richtigen Bett schlafen, ausgiebig duschen und Wäsche waschen. Wie einfach man doch mit der Zeit glücklich zu machen ist.
Wie abgemacht trafen wir uns in der Lobby um den weiteren Tagesablauf zu besprechen. Wir entschieden uns in ein günstigeres Hostel, das Michi noch von seinem früheren Aufenthalt kannte, umzuziehen. „My Place“, in schweizer Hand:’), befand sich gleich 3 Blöcke weiter in derselben Straße. Wir gingen einen Kaffee trinken, warteten noch auf meine Wäsche und zogen um. Nach einem reibungslosen und sehr freundlichen check-in wurde es plötzlich immer voller um die Reception. Preisfrage: Wie viel Gepäck (in kg) darf ein Mann für 10 Tage Urlaub mit sich führen? Die Receptionistin, eine Schweizerin, fragte im Wechsel alle sich dem Empfangstresen nähernden Mädels und Jungs über ihre Meinung zu Michi’s Gepäck. Das Resultat, gar nicht ganz so eindeutig, 15 kg sind in Ordnung:’). Als alle wieder verschwunden waren bezogen wir unseren 6-Dorm. Anschließend befolgten wir den Rat der Receptionistin und liehen uns völlig kostenfrei, auch das ist in Adelaide möglich, Fahrräder und fuhren am Fluss entlang Richtung Glenelg.
Die Radtour erinnerte mich einwenig an Dresden, wenn wir manchen Sonntag elbaufwärts Richtung Rathen geradelt sind. Einziger grober Unterschied: der Radweg verlief hier schließlich am Strand entlang und nicht durch die sächsische Schweiz. Überhaupt erinnert mich Adelaide an Dresden. Vom nordöstlichen Teil der Stadt, hoffe die Himmelsrichtung stimmt einigermaßen, hat man einen ebenso schönen Blick über die City in die Adelaide Hills mit Mt. Lofty wie in Dresden auf den Elbhang, der sich ebenfalls ca. 500-600 m erhebt. Hoffentlich gibt es zu einem späteren Zeitpunkt noch die Möglichkeit einen Blick von oben nach unten zu erhaschen. Vom Mt. Lofty soll man bis nach Kangaroo Island sehen können.
Wir hatten zu tun, die Räder wieder pünktlich zum Ladenschluss abzugeben. Doch ich war froh, als ich endlich wieder absteigen konnte, denn mir tat mein ganzer Hintern weh. Man ist eben nichts Gutes mehr gewöhnt. Am Abend suchten wir, ebenfalls auf Raten der Receptionistin, ein asiatisches Restaurant in Chinatown auf, wo wir richtig gut gegessen haben. Und anschließend gab es noch einen Drink in einer etwas lottrigen Hotelbar, in der ein junger Australier seinen etwas verquer klingenden Gesang zum Besten gab. Die Fans hielten sich in Grenzen. Zurück im Hostel, unsere beiden Mitbewohnerinnen scheinen den ganzen Tag nichts besseres im Sinn gehabt zu haben als sich in Ihren Betten rumzukullern und sich das Hostel von Innen anzuschauen, sollte der Spaß noch nicht zu Ende sein. Im Nachhinein weiß ich leider gar nicht mehr was eigentlich so lustig war, doch ich konnte nicht mehr atmen vor Lachen und bin in Tränen ausgebrochen. Michi und ich hatten gar nicht viel getrunken, aber wir hatten es dennoch mega lustig und es nahm und nahm kein Ende. Die beiden Mädels kochten bestimmt schon vor Wut. Sie hielten es aber auch nicht für nötig sich mit uns zu unterhalten. Auf jede Frage bekamen wir nur eine knappe Antwort und damit war das Gespräch beendet.
Nach einem gemütlichen Kaffee am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus nach Port Adelaide. Der Ausflug war nicht sonderlich spannend, geschweige denn sehenswert, aber wir hatten es auch hier lustig. Auf der Rückfahrt erzählte uns eine etwas ältere Dame asiatischen Ursprungs mit einer Perücke ihre Lebensgeschichte, der wir „sehr“ interessiert lauschten. Am Nachmittag mieteten wir uns für 30 Minuten ein Tretboot und gurkten ein Stück auf dem Fluss vor dem Festivalcenter und dem Intercontinental Hotel hin und her. Der Typ vom Verleih besaß keine Uhr und mit meinen vielen Sommersprossen im Gesicht sehe ich sowieso sehr australisch aus, sodass die Uhrzeit eigentlich gar keine Rolle spielte. Auch dürften wir die übliche Begrenzung durch zwei Brücken gerne überschreiten:’). Highlight auf der Tretbootfahrt war ein am Ufer sitzender Pelikan, der wunderbar vor meiner Linse posierte. Außerdem habe ich gelernt, dass schwarze Schwäne gerne Äpfel mögen und einem diese sogar aus der Hand fressen… Am Abend entschieden wir uns diesmal für ein Steakhouse, das sich am Rande von Chinatown befand. Es war sehr rustikal mit schweren Holzbänken und Tischen eingerichtet und unzählige Nummernschilder aus den USA zierten die Wände. Das Essen war in jedem Fall empfehlenswert. Anschließend suchten wir ein Pup auf, mal wieder:). Diesmal wurden wir aber gleich fündig und fanden uns in der gleichen Straße wie am ersten Abend wieder, als wir die vier Australier kennen lernten. Wir hockten uns an die Bar und tranken gemütlich einen Gin Tonic. Daraus wurden zwei, drei, vier und ich weiß nicht mehr wie viele. Ein etwas älterer Mann aus Irland, der plötzlich neben mir hockte, meinte mir ein Gespräch ans Knie nageln zu müssen. Was zunächst auch in Ordnung war, doch er wollte gar nicht mehr aufhören zu reden. Es änderte auch nichts an der Situation als ich mich mit Michi offensichtlich auf Deutsch unterhielt. Unterdessen lernten wir zwei etwas schräge Vögel, einen Australier und einen Neuseeländer, kennen, die uns zum einen den Iren vom Hals hielten, den Rest erledigte der Türsteher, und mit denen wir zum anderen einen schönen Abend verbrachten. Erst als die Stühle schon hochgestellt waren und wir quasi rausgekehrt wurden, schlugen wir den Heimweg ein. Noch schnell im Restaurant „zum Golden M“ einen Mc Double bestellt, gingen wir zurück zum Hostel.
Wieder aufgewacht, unsere Mitbewohner waren schon fast alle abgereist, packten wir unsere Sachen, deponierten das Gepäck an der Reception und buchten unseren Trip. Wir beschlossen für zwei Tage mit dem Bus nach Port Elliott zu fahren und dort im Beachhouse zu nächtigen. Von YHA wurde ein günstiges Package angeboten. Noch schnell einen Kaffee getrunken, mussten wir uns beeilen, die Koffer zu schnappen und rechtzeitig zur Busstation zu gelangen. Man sollte eine halbe Stunde vor Abfahrt einchecken, was wir jedoch nicht ganz einhielten und was aber auch kein Problem darstellte. Zu spät waren wir ein anderes Mal:’). Nach gut zwei Stunden Fahrt sind wir in Port Elliott angekommen. Aus dem Bus ausgestiegen, machten wir uns auf den Weg ins Hostel. Dazu mussten wir die gut befahrene Hauptstraße des kleinen Ortes überqueren. Ich wackelte mit meinem Koffer los bis zum Mittelstreifen um auf den Verkehr der gegenüberliegenden Seite zu warten. Jedoch war der ankommende Verkehr auf meiner Straßenseite schneller. Es kam ein etwas überbreiter Truck, der, auf der sowieso nicht so breiten Straße, nun nicht an mir vorbei kam. Also hielt ich, mit meinem Koffer im Schlepptau, kurzzeitig den Verkehr auf. Ich musste lachen und der Fahrer fing auch an zu grinsen…
Wir checkten im YHA Beachhouse, dem definitiv schönsten Hostel, in dem ich je übernachtet habe, gegen 15.00 Uhr ein. Ein Kuvert, das die Zimmerkarten enthielt, hing angeschrieben mit unseren Namen an der Reception, die zwischen 12.00 und 17.00 Uhr nicht besetzt ist, parat. Wir hatten ein überfülltes Hostel erwartet, da man keine zwei Betten mehr in einem Zimmer frei hatte. Doch es machte eher den Anschein als seien wir die einzigen Gäste. Das Hostel - eine sehr großzügige Villa, die einen sehr gepflegten Eindruck machte und recht modern eingerichtet war. Eine rustikale Holztreppe führte nach oben in den ersten Stock, wo sich mein Zimmer befand, in dem offensichtlich zwei weitere Mädels wohnten. Unten im riesigen Esszimmer befand sich ein Kamin mit einem grünen Sofa davor. Links ging es in den Fernsehraum mit riesigem Flachbildschirm an der Wand. Es gab eine gut ausgestattete Küche. Draußen im Garten hatte es ein BBQ neben einer Sitzecke und auf der Terrasse standen Liegestühle. Eine Tischtennisplatte gehörte auch zum Inventar, die auch gleich zu einem Match einlud:’). Am Abend testete Michi die Küche auf Herz und Nieren und im nahe gelegenen Pup, ließen wir den Abend bei einem Gin Tonic ausklingen. Am nächsten Tag machten wir uns zu Fuß auf nach Victor Habour, dem nächst größeren Ort. Dort beobachteten wir begeisterte Rentner beim Croquet spielen, dessen Regeln einem Laien auch bei genauerer Analyse ein absolutes Rätsel bleiben. Unweit der älteren Herrschaften begnügte sich die Jugend an einer Halfpipe und nebendran hatte es eine Bühne, auf der Nachwuchskünstler ihr Können präsentierten. Wir schauten den Croquet-Damen noch ein wenig über die Schulter und machten uns dann auf den Rückweg nach Port Elliott. Im Hostel war nicht viel mehr los, als am Nachmittag. Wir besorgten ein paar Kleinigkeiten fürs Abendessen im Supermarkt und lieferten uns ein spannendes Tischtennismatch. Unterdessen haben wir Marina und Claudia, die beiden Mädels in meinem Zimmer, kennen gelernt. Sie arbeiten jeden Morgen zwischen 11.00 und 13.00 Uhr im Hostel und können dafür gratis übernachten. Haben aber zusätzlich noch einen Job im Restaurant, wo sie ein paar Stunden in der Woche ihr Taschengeld aufpolieren können.
Am Abend kochten wir wieder im Hostel. Diesmal war die Küche etwas voller. Ein älteres Ehepaar aus Deutschland ist angereist. Sehr herzliche Leute, die Schulzis. Zum kochen köpften wir eine Flasche Wein, die wir mit den Mädels teilten. Zum Essen saßen wir alle im „Speisezimmer“, die Mädels an unserem Tisch, eine sehr heimelige Atmosphäre:’).
Nach dem sensationellen Essen holten wir den Globus, der neben dem Kamin im Bücherregal stand, herbei und lauschten Michi’s Weltreisegeschichten. Großes Fernweh hielt Einzug, doch dabei sind wir doch alle schon am anderen Ende der Welt…
Basti hielt mich unterdessen immer wieder auf dem Laufenden, was die Arbeit anging. Er hatte alles gemanaged, unsere Daten angegeben, damit wir unseren Lohn kassieren konnten und meinen Platz frei gehalten, damit ich nächste Woche wieder einsteigen konnte. Er hatte auch nur einen Tag frei und ansonsten die ganze Woche über alle Hände voll zu tun.
Am Sonntag hieß es für Michi und mich wieder alle Sachen zusammen zu packen. Am frühen Nachmittag sollte unser Bus zurück nach Adelaide gehen. Nach einem gemütlichen Frühstück bei Sonnenschein im Garten mit Marina und Claudi haben wir die Zeit mit einem weiteren Match verbracht. Als Marina und Claudi ihre Arbeit beendet hatten hockten wir uns alle auf die Terrasse und genossen die Sonne. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Ich wollte gar nicht mehr abreisen, aber der Bus kam. Wir verabschiedeten uns schweren Herzens, schnappten unser Gepäck und liefen zur Haltestelle… hm, und sahen den Bus nur noch von hinten;p. Ich habe innerlich gejubelt. Nun mussten wir noch einen Nacht länger bleiben, denn des war der einzige Bus. Die Mädels schauten nicht schlecht, als wir 10 Minuten später wieder zurück waren. Wieso uns nicht gleich eingefallen ist um eine Nacht zu verlängern? So schnell sieht man sich wieder!!! Das Gepäck verstauten wir wieder im Wäschelager, die Reception war ja leider nicht besetzt, was uns am erneuten einchecken hinderte.
Marina und Claudi wollten zum Einkaufen mit dem Fahrrad nach Victor Habour fahren. Glücklicherweise gab es vier Räder. Also machten wir eine kleine Radtour. Auch die Schulzis machten ein verdattertes Gesicht, als sie uns wieder sahen. „Mutti“ versorgte mich mit einer windfesten Jacke. Die Sonne hatte sich mittlerweile verkrochen und es war etwas kühl geworden. In meinem Koffer befanden sich nur die notwendigsten Sachen, sodass ich nichts Passendes dabei hatte. „Papi“ kümmerte sich um mein Fahrrad, dessen Sattel mir zunächst nicht richtig passte. Voll ausgestattet und warm angezogen konnte es also losgehen. Wir beschlossen am Abend ein BBQ zu machen und kauften entsprechend ein. Michi war unser Grillmeister. Es gab lecker Fleisch und gegrilltes Gemüse. Mhhh… ein kleines Festessen:’). Auch für die Schulzis hatte Michi eine kleine Kostprobe vorbereitet. Nach einer kleinen Fotosaisson auf dem grünen Sofa vor dem Kamin, spielten wir noch eine Runde Scrabble und ärgerten uns über die unmögliche Buchstabenzusammenstellung. Ein richtig toller Tag und ein noch tollerer Abend gingen zu Ende…
Nach einem ausgiebigen Frühstück, am großen Esstisch diesmal, mit allen Bewohnern des Hostels, hieß es Sachen packen. Die Schulzis hatten uns angeboten, in ihrem Auto mitzufahren, was wohl mit all dem Gepäck etwas eng, wenn nicht gar unmöglich, gewesen wäre. Für den Bus hätten wir erneut bezahlen müssen. Doch dann der Anruf von Basti. Es gäbe für heute keine Arbeit und er könne uns abholen. Also platzierten wir uns die restliche Zeit wieder in der Sonne auf der Terrasse und warteten auf unseren Transfer. Nun hieß es endgültig Abschied nehmen…
Basti kam, wir verstauten alle Sachen im Van und fuhren zurück nach Adelaide. Es war bereits Nachmittag, suchten wir in der Fußgängerzone ein Café auf und beobachteten die vorbeieilenden Menschen. Anschließend machten wir einen ausgiebigen Spaziergang durch die Parks in North Adelaide. Zum Abendessen gings nochmals ins Steakhouse am Rande von Chinatown. Hmm… Yummy! Dort könnte ich mir auch vorstellen zu arbeiten:’). Der Abend neigte sich viel zu schnell dem Ende. Wir setzten Michi am YHA Central ab und verabschiedeten uns. Mit einer Liste zu grüßender Freunde und ehemaliger Kollegen ließen wir Michi zurück und fuhren weiter nach Nuriootpa. Richtig schön war der Urlaub vom Urlaub und viel zu schnell verging mal wieder die Zeit…
Ich zog zurück in den Van und in den nächsten Tagen standen wir wieder 7.00 Uhr morgens in der Old Kapunda Road parat um uns der Traubenernte zu widmen. Bis uns eines Morgens der Wecker vergebens den Schlaf raubte, da der Auftrag für diesen Tag kurzfristig abgesagt wurde und uns bereits 10 nach 7.00 Uhr arbeitslos machte. Die Saison war schlecht, die Trauben zu schimmelig. Einige Bauern hatten ihre Stöcke gespritzt, obwohl sie das nicht hätten tun dürfen, und die Kapazitäten in der Weinverarbeitungsanlage waren begrenzt. Alles war etwas undurchsichtig und dazu kam, dass sich die Saison sowieso dem Ende zuneigte.
Bei einer Tasse Kaffee im Subway und überschwänglich guter Laune, da ein herrlich sonniger Tag bevor stand, besprachen wir das weitere Vorgehen und beschlossen spontan South Australia ein wenig zu bereisen und damit die arbeitsfreie Zeit zu überbrücken. Denn es sollte erst in ein paar Tagen mit der Ernte weiter gehen. Vor der Tankstelle wechselten wir unsere Pflückklamotten wieder gegen die Kleidung zivilisierter Menschen und begannen unsere Fahrt in Richtung Kingston. Vorbei an Hahndorf, wo es eine Tasse Kaffee und deutschen Apfelkäsekuchen gab, dabei kenne ich gar keinen deutschen Apfelkäsekuchen:’(, fuhren wir weiter, in Gespräche vertieft und der Tankanzeige keine Beachtung schenkend, über den Highway. Als Eddy plötzlich der Sprit aus ging und wir in absoluter Dunkelheit am Straßenrand stehen blieben. So etwas kann auch nur uns passieren. Dumm eben, wenn die Tankleuchte nicht mehr funktioniert… Wir kramten einen kanisterähnlichen Behälter aus den Kadakomben unter unserer Matratze hervor und machten uns zu Fuß auf den Weg. Die letzte Ortschaft, an der wir vorbei gekommen sind, lag auch schon wieder einige Kilometer zurück. Glücklicherweise, wir mussten gar nicht lange laufen, hielt ein PKW vor uns an. Ein älteres Ehepaar auf dem Heimweg, nahm uns mit zur nächsten Tankstelle und brachte uns auch tatsächlich wieder zurück zum Van. Ganz schön hilfsbreit die Australier. Wir bedankten uns überschwänglich und fuhren zum Volltanken zurück, denn wer weiß, wie weit die nächste Tankstelle entfernt lag. Mittlerweile war es schon spät geworden und so schlugen wir unser Nachlager auf der nächsten Rest Area auf. Am nächsten Morgen, der Sommer war zurück, gab es mal wieder Frühstück im Freien. Anschließend ging es weiter nach Kingston. Wir machten einen kurzen Spaziergang am weißen Sandstrand entlang bis zum historischen Cape Jaffa Lighthouse, gingen noch einkaufen und fuhren weiter an der Küste entlang. Vor dem Ortsausgang kamen wir noch am Big Lobster, einem überdimensional großen Hummer, vorbei. Wir fuhren durch den Coorong Nationalpark und hielten am Jacks Point, von wo aus man jede Menge Pelikane aus der Ferne beobachten konnte. Wir genossen die Landschaft und nach einer kurzen Fährenfahrt auf eine kleine Halbinsel unweit dem Ort Narrung rasteten wir auf einem traumhaft schönen Campingplatz direkt am Wasser. Nach dem Abendessen, bestehend aus gebrutzelten Würstchen, mariniertem Fleisch und frischem Salat, machten wir ein gemütliches Lagerfeuer, dass wir mit Ästen vom Eukalyptusbaum und Bettlaken aus Cobram-Farm-Zeiten, wir wissen, dass man das nicht macht, am Leben hielten und uns damit bis zum Ende unserer Flasche Sekt treue Gesellschaft leistete. Am Morgen danach gönnten wir uns Wellness pur. Wir frühstückten in aller Ruhe und genossen die Idylle. Bei sommerlichen Temperaturen konnten wir unsere portable Dusche und das zugehörige Zelt einweihen. Mit unserem Gasherd machten wir das Wasser heiß und bei lauter Musik aus dem Autoradio konnte das Duschvergnügen losgehen…
Wie aus dem Ei gepellt fuhren wir weiter nach Victor Habour. Wir spazierten auf die kleine vorgelagerte Insel, namens Granite Island, die über einen Damm nur zu Fuß oder mit einem Pferdekarren zu erreichen ist, und genossen die warme Nachmittagssonne. Tagesziel war Cape Jervis, am südwestlichen Zipfel von Fleurieu Peninsula, da wir mit dem Gedanken spielten, einen Abstecher auf Kangaroo Island zu machen. Auf dem Weg dorthin sahen wir unser erstes Buschfeuer. Schon aus weiter Entfernung konnte man den rot erleuchteten Horizont erkennen. Das Feuer hatte ein riesiges Ausmaß und erschien irgendwie unfassbar. Hektarweise brennt der Wald ab und niemand kann etwas dagegen unternehmen. Von Neugier getrieben, versuchten wir uns dem Feuer zu nähern und aus sicherer Entfernung einen Blick zu erhaschen. Doch die Straßen wurden von der Polizei abgeriegelt. Wir setzten unseren Weg fort als wir plötzlich von der Polizei angehalten wurden. Der Polizist wollte Basti’s Führerschein sehen, Fahrzeugpapiere gibt es hier ja sowieso nicht, und macht uns darauf Aufmerksam, dass unser rechtes Rücklicht nicht mehr funktionierte. Wir versprachen ihm, es am nächsten Tag zu reparieren, womit er sich glücklicherweise zufrieden gab und von einer Buße absah. In Cape Jervis angekommen, wir campierten direkt neben dem Leuchtturm auf einem riesigen Platz ohne eine Menschenseele, gab es dann bei ganz schön viel Sturm, aber dennoch milden Temperaturen ein paar Tütennudeln und eine Flasche Sekt. Am nächsten Morgen, der Wind war noch genauso stark, gab es nur ein schnelles Frühstück. Denn wir wollten anschließend mit der Fähre, die in Cape Jervis ablegt, auf Kangaroo Island fahren. Ich saß bereits abfahrbereit auf dem Beifahrersitz als Basti verkündete - wir haben einen Platten! Ein sehr nostalgischer Wagenheber, der im Lieferumfang des Vans enthalten war und unpassendes Werkzeug machten den Reifenwechsel zum Abenteuer. Ich lief zur Fährenstation und bat um Hilfe. Nachdem die Fähre abgelegt hatte, fand sich ein freundlicher Australier, der mich zurück zum Van fuhr und passendes Werkzeug dabei hatte. Er lieh uns seinen Wagenheber und eine passende Nuss, sodass sich Basti an die Arbeit machen konnte. Etwa zwei Stunden später stand Eddy wieder auf vier gesunden Rädern. Aufgrund des Preises, der Kürze der Zeit, die uns zur Verfügung stand und der Tatsache dessen, was uns auf Kangaroo Island erwartete, entschieden wir uns gegen den Besuch der Insel und setzten unsere Fahrt Richtung Adelaide fort. Unterwegs hielten wir in einer Werkstatt, die uns den Reifen für $ 20,00 flickte und auch wieder austauschte. Gleichzeitig erneuerten wir unser defektes Rücklicht, vervollständigten fehlende und durchgeschmorte Sicherungen und sind nun stolze Besitzer eines kompletten Nussschlüsselkastens:’).
Nach einem Shoppingtag in Adelaide, 300 Geschäfte später, um eine Jeans und ein Paar Ballerinas reicher, fuhren wir wieder zurück nach Nuriooptpa. Auf dem Highway, ich hatte das Steuer übernommen, hielt uns die Polizei an. Was ist denn diesmal das Problem, dachten wir. Alle Lichter funktionieren doch einwandfrei! Der Polizist wollte meinen Führerschein sehen, regte sich ein wenig auf, dass ich ihn nicht früher bemerkt hatte und teilte mir die Geschwindigkeitsüberschreitung von 12 km/h mit. Pusten durfte ich auch noch, hatte mir aber am hellerlichten Tag nichts vorzuwerfen. Er sah von einer Buße in Höhe von $ 375,00 ab und ließ uns mit den Worten: Er wisse, dass es in Deutschland bessere Straßen gebe als hier, weiterfahren.
Mittwoch, 30. März 2011
Great Ocean Road
Geelong ist keine besonders sehenswerte Stadt. Backpacker sind hier sehr seltene Gäste, wie wir erfahren haben. Und nach einer weiteren Nacht im Motel machten wir uns endlich auf nach Torquay, dem Beginn der Great Ocean Road. Unser Van brauchte noch etwas Zeit. Offensichtlich hatte die Werkstatt in Melbourne, die wichtigen Mängel, die eine Straßentauglichkeit relativ unmöglich machen, übersehen. Die Reparaturkosten beliefen sich schlussendlich auf $ 1210,50 und uns wurden glücklicherweise nur die Hälfte von 9 Arbeitsstunden berechnet. Aber Eddy schnurrt nun wie ein Kätzchen und man kann, wie mit jedem anderen automatisch betriebenen Auto, in „D“ anfahren, ohne dass er wie bekloppt rüttelt und jedes Mal alles wild durch die Gegend fliegt…
Der erste Abschnitt der Great Ocean Road bis Lorne war relativ unspektakulär. Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein hätte die Fahrt entlang der Küste wahrscheinlich einen anderen Eindruck gemacht, aber wir mussten uns mit einem grauen und wolkenverhangenen Himmel abfinden. Wir kamen an einem Leuchtturm, dem Split Point, und dem Eagle Rock, ein riesiger Fels vor der Küste im Meer, vorbei. Das Meer hatte sehr starken Wellengang und überall waren jede Menge Surfer unterwegs. In Lorne angekommen, waren wir am Teddy Lookout, von wo man eine schöne Sicht aufs Meer und ein Stück der Great Ocean Road hat. Auf dem Rückweg zum Van fing es wolkenbruchartig an zu regnen und über die nächsten 24 Stunden hatte sich daran auch nicht viel geändert. Im Gegenteil, am nächsten Tag hingen die Wolken schon so tief, dass sie einem jegliche Sicht versperrten. Ein Käsefondue in einer gemütlichen Berghütte mit prasselndem Kaminfeuer wäre genau das Richtige gewesen, anstatt im kalten Van durch die Gegend zu fahren und die auf die Scheibe prasselnden Regentropfen zu beobachten…
Anschließend sind wir zu den Erskine Falls gefahren. Über insgesamt 322 Stufen gelangten wir zum Fuße des Wasserfalls. Der Weg führte vorbei an Farnen, so groß wie Palmen, und durch einen Wald wie aus einem Märchen. Der Regen hatte für ein paar Minuten ausgesetzt und uns die Möglichkeit eingeräumt, den Blick zu genießen und ein paar Fotos zu schießen, doch treppaufwärts fing er wieder an.
Nachdem wir alles sehenswerte, was der „Lonely Planet“ hergab, in Lorne abgegrast hatten, suchten wir eine Rest Area auf, die etwas abseits lag. Der Weg führte uns über teils unbefestigte Straßen quer durch die Natur. Der Campingplatz war extrem schlammig und wir positionierten uns unweit der Outside Dunnys unter wessen Vordach sich, zum Schutz vor dem Regen, zwei Schweizer und drei Deutsche gesellten. Nach einem kurzen Plausch fuhren Basti und ich nochmals nach Lorne zurück, über die Hauptstraße diesmal, um ein paar Getränke zu besorgen. Wieder angekommen, holten alle ihre Stühle herbei und so saßen wir in gemütlicher Runde an diesem einzigen trockenen Fleckchen.
Am Morgen, welch Freude, hatte es für ein paar Stunden aufgehört zu regnen, beseitigten wir das entstandene Chaos in unserem Van, denn nach den Motelnächten hatten wir unsere mitgenommen sieben Sachen genauso schnell wir sie zusammengesucht hatten auch wieder fallen lassen, ließen Lorne hinter uns und fuhren weiter in Richtung Apollo Bay.
Direkt neben der Straße saßen eine ganze Menge weiße Kakadus. Sehr schöne Tiere, denen man sogar das Sprechen beibringen kann, wie wir in der Werkstatt in Melbourne erlebt haben, wo wir unser Auspuffrohr angeschweißt bekommen haben, denn dort saß ein solcher Vogel, der uns mit „Hello“ begrüßte, im Käfig. Und ich erinnere mich an ein Schild, das neben ihm hing, auf dem stand „don´t touch“ (nicht anfassen)…
Die Vögel waren dabei die ganze Grasnarbe herauszureißen und nach etwas Essbarem zu wühlen. Eigentlich bin ich nur zum Fotos machen ausgestiegen bis Basti mit meinem restlichen Knoblauchbrot, dass ich an unserem letzten Abend in Melbourne vom Abendessen mitgenommen habe, über die Straße gelaufen kam. Die Kakadus fraßen uns das Brot aus der Hand und saßen mir auf dem Arm, der Schulter und meinem Rücken. Einige haben mich oberhalb der Hose in meine Seite und unterhalb in meine Fersen gebissen. Ein bei Basti auf der Schulter sitzender Vogel hat sich mit seinem weichen Körper an sein Ohr gekuschelt. Die sind so süß!!! Gerne hätte ich einen eingepackt und mitgenommen:’). Aber immerhin ein paar gelungene Fotos konnten wir machen.
Der erste Stopp in Richtung Apollo Bay war ein weiterer Wasserfall. Auf dem Parkplatz gab es erstmal Frühstück, eine Schüssel Cornflakes und eine Tasse Kaffee, bevor wir uns auf den 1,2 km langen Weg zum Wasserfall machten. Kurz vor Aufbruch füllte sich der Parkplatz mit weiteren Campervans denen, natürlich, Deutsche und Schweizer entstiegen. Der Buschwalk zum Wasserfall war sehr idyllisch. Oben angekommen kletterten wir über das Flussbett, was laut Hinweißschild nicht erlaubt ist, in eine Höhle, wo wir den nächsten Regenguss abwarteten. Auf dem Weg nach Unten waren wir so ins Gespräch vertieft, dass wir die Abzweigung und damit den Weg zum Fuße des Wasserfalls vergaßen, wie mir später am Tag plötzlich einfiel. Auf der Küstenstraße hielten wir für das ein oder andere Foto an, aber auch dieser Abschnitt ist nicht wirklich lohnenswert. Von einem Lookout, wo man bei niedrigen Pegelständen noch Wrackteile eines gesunkenen Schiffs und einen Anker in unmittelbarer Strandnähe erkennen soll, und sich das Grab des Seefahrers Godfrey befand, ging ein ziemlich steiler Weg, der Godfrey Track, auf der gegenüberliegenden Straßenseite durch den Wald. Wir liefen gefühlte 2 Stunden auf der Suche nach Koalas durch die Eukalyptusbäume und wurden sogar fündig. 6,5 Koalas liefen uns über den Weg, oder besser gesagt, wir über deren. Eine Mama mit Baby auf dem Rücken war auch dabei:’). Und wir haben seltsame kleine rote Frösche gefunden, die ohrenbetäubende Geräusche von sich geben, wenn sie sich in ihrem Versteck aus Blättern und Ästen sicher fühlen.Wenig später kamen wir an einen weiteren Wasserfall. Die Wegbeschreibung von 15 Minuten je Weg, sollten sie auf 5 Minuten hin und zurück abändern.
In Apollo Bay angekommen, wir gönnten uns Kaffee und Kuchen, haben wir den Tag für abgeschlossen erklärt. Die Dunkelheit setzte ein, der Regen wollte nicht aufhören und es war kalt. Bei schlechten Sichtverhältnissen fuhren wir, ohne eine Menschenseele anzutreffen, ca. 28 km von der Küste weg in den Otway Nationalpark. Die Straße an sich war schon ein Highlight, sehr schmal und extrem kurvenreich. Stock dunkel war es mittlerweile geworden, schlängelten wir uns bei vorgegebenen 20-40 km/h durch den Urwald. Gleich neben dem Campingplatz ging es mal wieder zu einem Wasserfall, dem Beauchamp Fall, den wir uns am nächsten Morgen mit der Hoffnung auf besseres Wetter ansehen wollten. Doch leider mussten wir feststellen, dass der Weg, aufgrund der massiven Regenfälle, gesperrt wurde. Nach dem Frühstück ging es also weiter. Schon am Vorabend kamen wir an zahlreichen Wegweisern, mit interessanten sehenswerten Tipps, vorbei, die nun unsere ersten Ziele darstellten. Vorbei an einem Treetopadventure-Park, den wir einstimmig beschlossen nicht zu besuchen, da schöne Ausblicke und das Antreffen von Koalas versprochen wurden, die wir selbst genug in freier Wildbahn gesehen hatten, und an diesem Tag sollten es sogar noch mehr aus nächster Nähe werden. Und die Ausblicke finden wir auch ohne Eintritt:’)
Als nächstes kamen wir an die Hopetoun Falls, auch hier hätten wir in der angegeben Gehzeit von 40 Minuten ca. 3 Mal hin und zurück spazieren können. Und an die Triplet Falls. Jedes Mal führten uns die Wege durch Urwald und einzigartige Natur. Basti hätte sich gerne noch weitere Wasserfälle, die auf braunen Schildern, und damit für Touristen kenntlich gemacht wurden, am Straßenrand ausgeschrieben waren, angesehen, doch mir hat es irgendwann gereicht. Es fließt ja doch jedes Mal nur Wasser die Felsen hinunter…
Unser nächstes Ziel war das Cape Otway Lighthouse, das jedoch, als wir es endlich erreichten, bereits geschlossen hatte. Denn auf dem Weg dahin sind wir an unzähligen Koalas vorbei gekommen. Schon aus dem fahrenden Van heraus konnten wir sie in den Bäumen links und rechts der Straße sitzen sehen. In jedem 2. oder 3. Baum hockten diese ständig schlafenden Tiere. Einer saß in einem über die Straße hängenden Ast. Nachdem wir vergebens mit der Räuberleiter versuchten ihn zu erreichen, oder zumindest am Ast zu rütteln, damit er herunterkommt, parkten wir den Van direkt unter ihm. Basti konnte es sich nicht nehmen lassen auf den Van zu klettern und zu versuchen den Koala zu wecken und herunterzuholen, was ihm jedoch nicht gelang. Wie ein kleiner Junge turnte er auf dem Van herum und zog an der sich abschälenden Rinde des Astes. Den Koala hat die ganze Aktion nicht die Bohne interessiert. Er schlief unbekümmert weiter.
Da trotz der geschlossenen Tore kein Herankommen an den Leuchtturm war, fuhren wir die Straße ein Stück zurück und ließen den Van an der Seite stehen. Durch Stacheldrahtzäune und über Kuhweiden machten wir uns auf den Weg zur Küste in der Hoffnung wenigstens einen guten Blick auf den Leuchtturm zu erhaschen. Dem war leider nicht so. Wir fanden uns an einer ziemlich hohen Steilküste wieder, die den Weg nach unten zum Strand, wenn man überhaupt von einem Strand sprechen konnte, leider völlig unmöglich machte. Zurück zum Van fuhren wir Richtung Point Franklin und Crayfish Bay, wieder zwei Orte, die auf einem braunen Wegweiser als sehenswert angepriesen wurden. Und die wir deshalb natürlich nicht außer Acht lassen durften;’). Wir ließen den Van stehen und wie immer mit Fotoapparat bewaffnet, folgten wir den Schildern. Unten am Strand angekommen liefen wir von einer Bucht zur nächsten, immer noch in der Hoffnung dem Leuchtturm etwas näher zu kommen. Wir wateten durch den Sand, kamen an alten Schiffswrackteilen vorbei, hielten nach Muscheln Ausschau und genossen das Meeresrauschen. Langsam setzte die Dunkelheit ein. Doch statt umzukehren liefen wir einfach weiter. Als die Sonne nun fast unterzugehen drohte entschieden wir uns über Felsen die Klippe hinauf zu klettern, wo wir inmitten von hüfthohem störrischem Gestrüpp standen. Im Wettlauf gegen die Sonne bahnten wir uns einen Weg durch die dichten Büsche. Die Sonne war mittlerweile ganz untergegangen als wir an einem verlassenen Grundstück vorbeikamen, das uns vorher, als wir es von der Straße aus in weiter Entfernung liegen sahen, neugierig machte, und nun eine Angst einflößende Wirkung auf mich hatte. Auf dem Grundstück, dass von Stacheldraht umzäunt war, stand ein Gebäude, das von Weitem eine Ruine hätte sein können, doch aus der Nähe betrachtet eher den Eindruck erweckte, es sei noch nicht ganz fertig gestellt worden. Mittlerweile geübt passierten wir den Stacheldrahtzaun und rannten den hinter dem Grundstück abfallenden Hügel hinunter. Auf der nächsten Erhöhung konnten wir vom Mond angestrahlt in der Dunkelheit unseren Van erahnen. Hand in Hand überquerten wir die Wiese um einander nicht zu verlieren. Die Angst vor Schlangen und wilden Tieren stieg unaufhaltsam in uns auf. „Nicht nachdenken und einfach laufen“ murmelten wir immer wieder vor uns her. In der Senke angekommen ging es wieder bergauf. Hinter dem nächsten Stacheldrahtzaun wurde es sumpfig. Ohne darüber nachzudenken nahmen wir unsere Beine in die Hand und stiefelten durch das immerdichter werdende und mittlerweile mannshohe Gestrüpp. Voller Panik kämpften wir uns durch die Büsche und kamen glücklicherweise genau am Van wieder raus. Als wir im Auto saßen konnten wir nur noch über diese Aktion lachen. Und es sollte spannend weiter gehen. Auf der Straße zurück auf die Great Ocean Road, immer noch im Otway Nationalpark, lief uns etwa in der Höhe, wo wir bereits am Nachmittag angehalten hatten, tatsächlich ein Koala über den Weg. Völlig gebannt hielten wir an und beobachteten den kleinen Kerl, wie er völlig benebelt über die Straße lief. Ich war so fasziniert, das es eine halbe Ewigkeit dauerte bis ich meinen Fotoapparat parat hatte und endlich ausgestiegen war. Basti kam kurze Zeit später hinterher gesprungen und streichelte ihn sogar, bis er sich im Unterholz am Straßenrand verkrochen hatte. Kaum eingestiegen und weitergefahren, hockte der nächste Koala auf der Straße. Blitzschnell ausgestiegen konnten wir den Kerl diesmal aus nächster Nähe beobachten. Er lief die Straße entlang und gab grunzende Geräusche von sich. Er war so süß anzuschauen und hatte sich auch bald im Gebüsch in Sicherheit gebracht.
Die Nacht verbrachten wir auf dem Aire River West Campground. Die Straße dahin war wiedermal ein Highlight. Unbefestigt und mit Schlaglöchern übersät. Die Huckelpiste ließ höchstens 30 km/h zu, was sich dennoch wie 130 km/h anfühlte. Unser gesamter Hausrat hatte sich selbstständig gemacht. Die Rest Area lag sehr idyllisch direkt neben dem Aire River. Wir parkten neben einem kanadischen Pärchen und zum Abendessen gab es mal wieder Nudeln mit Sauce. Am nächsten Morgen ging es voll bepackt mit Tipps über South Australia, die uns die Kanadier mit auf den Weg gaben, zurück über auf die Great Ocean Road. Jeder Lookout links der Straße gehörte uns. Anhalten, aussteigen, Fotos machen, einsteigen, weiterfahren… typische Touristen. Wir entwickelten eine neue Sportart – in kurzer Zeit alles sehen:’). Unser Tank neigte sich dem Ende entgegen, doch nichts desto trotz setzten wir unsere Bilderjagd unbekümmert fort. Über abgelegene Seitenstraßen, Holperstrecken und Stock und Stein brachte Eddy uns von einem Aussichtspunkt zum Nächsten. Gerade noch rechtzeitig fanden wir vor einem Dorfcafé in Princetown eine Tanksäule, die uns die Weiterfahrt ermöglichte. Weiter ging es zu den eigentlichen Highlights der Great Ocean Road: Gibson Steps, 12 Apostles, Loch Ard Gorge, the Arch, London Bridge und the Grotto. Doch es dauert viel zu lange, wenn ich versuchen würde, alles aufzuschreiben, was wir hier erlebt und gesehen haben. Mehrerer hundert Bilder später, die die Szenarien und Eindrücke vermutlich sowieso besser wieder geben als nur Worte, neigte sich der letzte Tag in Victoria seinem Ende entgegen. Wir fuhren noch nach Peterborough, wo wir nach einer eiskalten Dusche auf einem Truckparkplatz neben dem Highway unser Lager aufschlugen. Am fünften Tag unseres Trips fuhren wir nach Warrnambool und von dort aus direkt weiter nach South Australia…
Dienstag, 22. März 2011
Auf dem Weg zur Great Ocean Road
Gestern, kurz vor Mittag, haben wir Melbourne in Richtung Geelong verlassen. Bereits am Vormittag brannte die Sonne vom Himmel. Es schien ein heißer Tag zu werden. Doch nach dem Frühstück, als wir alles reisefertig verstaut und unseren Wasservorrat aufgefüllt hatten, zogen leider Wolken auf. Samuel, ein alter Kollege aus der Schweiz, den wir eine Woche zuvor am Strand von St. Kilda getroffen hatten, kam gerade vom Joggen zurück. Noch schnell ein paar Worte gewechselt, denn eine wichtige Klausur stand für ihn an, fuhren wir los. Gut gelaunt schlängelten wir uns durch den dichten Verkehr Richtung Princes Highway. Der Fahrtwind blies uns um die Ohren und im Radio lief tolle Musik. Unser Ziel, die Great Ocean Road, rückte immer näher. 110 km/h schafft Eddy, aber man darf ja sowieso nicht mehr als 120 km/h fahren. Fast vorbei an Geelong, die Wegweiser wiesen uns schon Richtung Küste, breitete sich plötzlich ein merkwürdiger Geruch aus. Noch bevor wir lange darüber nachdenken konnten, was das sein könnte, viel der Tacho aus, was für mich eigentlich nichts Neues ist, da ich vor einigen Jahren bereits des Öfteren in einem Auto ohne funktionierende Kilometeranzeige gefahren bin. (@Mutti: sei froh dass du diese Schüssel nicht mehr hast!) Aber das war noch nicht alles. Eddy hat ein Automatikgetriebe und „D“ ist auch ausgefallen. Uns blieben nun nur noch die Gänge 1 und 2 zum Fahren übrig. Außerdem kam ein rasselndes Geräusch von unten. Mir wurde etwas mulmig zumute. Keiner wusste was los ist und ich sitze auch noch genau auf dem Motor, denn der befindet sich in diesem Modell unter dem Beifahrersitz. Wenig später bogen wir in einen Feldweg ein, um die Sache genauer unter die Lupe zu nehmen. Basti kniete sich auf meine Fußmatte und spähte unter den Van. Es qualmte, stank noch immer und Öl tropfte. Keine Ahnung was Eddy für Probleme hat, schließlich haben wir erst vor gut 10 Tagen die Straßentauglichkeitsbestätigung erhalten. Sorge machte sich breit, ob Eddy überhaupt so eine gute Idee war. Der Jüngste ist er ja mit 15 Jahren und über 272'000 km nun wirklich nicht mehr. Wir haben dem Motor einige Zeit zum Abkühlen gegeben bis Basti einen Neustart wagte. Er fuhr zunächst alleine den Feldweg entlang, denn ich sollte von außen schauen, ob es Auffälligkeiten gibt. Unterdessen fuhren einige Trucks vorbei, die riesige Stauwolken zurück ließen.
Als sich der Staub auflöste und ich in Richtung Van sah, musste ich lachen. Basti hatte versucht zu wenden und stand nun quer auf dem Feldweg mit der Schnauze im Grünen. Der Rückwärtsgang funktionierte wohl auch nicht mehr:’) Hm, wie nun dieses schwere Gefährt wieder aus dem leicht abfallenden Gestrüpp herausbekommen? Alle Kraft reichte nicht, Eddy rollte immer wieder vorwärts. Ein Pickup hielt neben uns an und ein freundlicher Australier stieg aus. Er half uns den Van wieder annähernd in Fahrtrichtung zu schieben. Er beschrieb uns den Weg zum nächsten Mechaniker und auf gings im 2. Gang die Strassen entlang… Wir mussten ein weiteres Mal nach dem Weg fragen und kamen schlussendlich heile an. Doch länger hätten wir nicht mehr fahren können, denn der seltsame Geruch versuchte sich schon wieder breit zu machen. In der Werkstatt angekommen, schilderten wir unsere Probleme und mussten uns eine gute Stunde gedulden bis Eddy auf die Bühne durfte. In der Zwischenzeit gönnten wir uns Kaffee und Kuchen. Als wir zurück in die Werkstatt kamen, dauerte es nicht mehr lange bis Eddy endlich an der Reihe war. Er wurde mit der Bühne nach oben gehieft.
Und schon nach dem ersten Blick schüttelte der Mechaniker mit dem Kopf, so etwas habe er noch nie gesehen. Er holte seinen Chef herbei, der offensichtlich auch überrascht war. Sie vermuteten wir seien irgendwo derb aufgesessen, doch dies konnten wir nicht bestätigen. Wieder ein Mangel, den uns die Franzosen erfolgreich vorenthalten haben. Die Stange der Gangschaltungsanlage (wie auch immer, das schon wieder fachmännisch heißt) hatte eine Delle und das Verbindungsstück war heraus gebrochen. Während der Autobahnfahrt muss das bereits angebrochene Verbindungsstück endgültig den Geist aufgegeben haben. Aus der Bruchstelle spritze während der Fahrt heiß gewordenes Getriebeöl und die lose Metallkappe verursachte das rasselnde Geräusch. Damit hatten wir den Salat. Der Chef verschwand und versuchte ein gebrauchtes Teil zu organisieren. Nach einigen Telefonaten schien er erfolgreich gewesen zu sein. Er war schlussendlich selbst positiv über den Preis überrascht und meinte günstiger als knapp $ 900.00 kommen wir es nirgends. In den Preis sind bereits 4 Stunden Montagezeit eingerechnet. Er machte einen sehr seriösen Eindruck und wir vertrauten ihm. Eine andere Wahl hatten wir sowieso nicht.
Alle Mal besser als Harar Motors.
Zuvorkommender Weise wurde uns für die Zeit der Reparatur ein Leihwagen, wieder ein Ford, wieder Automatikgetriebe, jedoch 2/3 kleiner, zur Verfügung gestellt. Und das Beste, nur ich darf ihn fahren, da Basti noch keine 25 ist:p. Wir packten völlig verplant unsere sieben Sachen zusammen: Laptop, Ladekabel, Ladekabel, Ladekabel (denn wir erwarteten ausreichend Strom und eventuell Internet) und 2 Unterhosen sowie Zahnbürste und Zahnpasta:’) und machten uns auf die Suche nach einer günstigen Bleibe. Nachdem wir den Ort abgegrast haben und die Preislisten sämtlicher Caravanparks und Hotels auswendig kennen, bewohnen wir nun ein kleines Standardzimmer mit Internet, Strom und allem wichtigen was man so braucht in einem kleinen Motel.

Das erste Zimmer in Australien ohne Doppelstockbetten:’). Wir hoffen, dass die Tage in Geelong gezählt sind und die Great Ocean Road gibt es in zwei Tagen schließlich auch noch. Wir sind ja zeitlich unabhängig.
Und schon nach dem ersten Blick schüttelte der Mechaniker mit dem Kopf, so etwas habe er noch nie gesehen. Er holte seinen Chef herbei, der offensichtlich auch überrascht war. Sie vermuteten wir seien irgendwo derb aufgesessen, doch dies konnten wir nicht bestätigen. Wieder ein Mangel, den uns die Franzosen erfolgreich vorenthalten haben. Die Stange der Gangschaltungsanlage (wie auch immer, das schon wieder fachmännisch heißt) hatte eine Delle und das Verbindungsstück war heraus gebrochen. Während der Autobahnfahrt muss das bereits angebrochene Verbindungsstück endgültig den Geist aufgegeben haben. Aus der Bruchstelle spritze während der Fahrt heiß gewordenes Getriebeöl und die lose Metallkappe verursachte das rasselnde Geräusch. Damit hatten wir den Salat. Der Chef verschwand und versuchte ein gebrauchtes Teil zu organisieren. Nach einigen Telefonaten schien er erfolgreich gewesen zu sein. Er war schlussendlich selbst positiv über den Preis überrascht und meinte günstiger als knapp $ 900.00 kommen wir es nirgends. In den Preis sind bereits 4 Stunden Montagezeit eingerechnet. Er machte einen sehr seriösen Eindruck und wir vertrauten ihm. Eine andere Wahl hatten wir sowieso nicht.
Alle Mal besser als Harar Motors.
Das erste Zimmer in Australien ohne Doppelstockbetten:’). Wir hoffen, dass die Tage in Geelong gezählt sind und die Great Ocean Road gibt es in zwei Tagen schließlich auch noch. Wir sind ja zeitlich unabhängig.
Montag, 21. März 2011
Unser neues Zuhause und Phillip Island
Mittlerweile ist wieder einige Zeit vergangen… über eine Woche ist Eddy nun schon unser Zuhause. Nach 2 Tagen Werkstattaufenthalt haben wir Eddy endlich wohnlich eingerichtet und geputzt und geschrubbt was das Zeug hält. Die beiden linken Seitenfenster und die Heckscheibe sind jetzt nicht mehr schwarz sondern lassen wieder Tageslicht hindurch. Und auch sonst ist er innen „wohlfühlsauber“. Er hat einen neuen Bettzeug und dunkelrote Gardinen zum super Sonderpreis bekommen, an den Stoff zu gelangen, war gar nicht so einfach, mehrere Mitarbeiter eines Second Hand Shops waren in die Preisvergabe involviert;’). Der Rest des Stoffbarrens hat sogar für eine Tischdecke auf unseren „Wohnzimmeresstisch“ gereicht. Außerdem hat Basti mit aller Manneskraft, also ohne Akkuschrauber oder sonstige Hilfsmittel, kleine Körbe unter der Decke entlang der rechten Seitenwand als Stauraum für Kleidung und Nippes angebracht. Der Mitgelieferte Einplattengascampingkocher wurde bereits mehrfach auf Tauglichkeit getestet und der Hausrat ist auf die nötigsten Kochutensilien, Geschirr, einen Campingtisch und eine elektrische Kühlbox angewachsen. Eine mobile Dusche inklusive Zelt gehören mittlerweile auch zum Inventar. Es fehlt an nichts;’)
Die ersten Nächte haben wir super überstanden. Wir übernachteten auf einem Parkplatz neben einem kleinen Park, unweit vom Strand, in St. Kilda, einem Stadtteil von Melbourne. Eine Möglichkeit zum Zähneputzen und frisch machen bot sich in unmittelbarer Nähe. Nur mit dem Duschen war es nicht ganz so einfach. Die Vorbesitzer unseres Vans hatten uns die Duschen am Strand empfohlen. Wir packten alles zusammen, was man zum Duschen eben so braucht, und suchten die gemauerten Räumlichkeiten auf. Das Wasser war kalt. Aber nach einem ganzen Tag Vanschrubben in praller Sonne war das relativ egal. Die Dusche war extrem wohltuend und entspannend, jedoch mit einem bittersüßen Beigeschmack. Ich fühlte mich schlecht. Wie eine Obdachlose, die sich heimlich auf öffentliche sanitäre Anlagen, wenn man das so nennen kann, schleicht, um ihren ganz normalen menschlichen Bedürfnissen: sauber zu werden, nachzukommen. Na ja, man ist schließlich anpassungsfähig… Beim nächsten Mal gingen wir ins Discovery Hostel, wo wir während unseres ersten Melbourneaufenthalts nächtigten und von dem wir wussten, das dort im 4. Stock keine Kartenlesegeräte an den Türen existierten. Wir mutierten von an zu "Duschnomaden":').
Ein lustiges Ereignis gab es, als wir gerade beim Abwaschen waren. Den Campingtisch mit Abwaschschüssel und sämtlichem Geschirr, das für den ersten Gebrauch einsatzbereit gemacht werden sollte, neben unserem Van, auf einem weiteren Parkplatz aufgebaut, wollte ein Anwohner einparken. Wir mussten geschwind alles bei Seite stellen, damit der Wagen Platz hatte. Ein freundlicher Australier stieg aus und sagte: „Sorry for parking in your livingroom!“
Am 15. März war es endlich so weit. Pünktlich erschienen wir zu unserem Termin bei VICRoads. Ca. 45 Minuten später war die Inspektion beendet und wir hielten stolz unsere Nummernschilder in den Händen. "YGR-317 Victoria -The Place to be" ziert nun unseren Van.
Uns hielt nichts mehr in Melbourne und so entschieden wir uns noch am selben Tag den Weg in Richtung Phillip Island anzutreten. Ca. 100 km südöstlich von Melbourne suchten wir eine Rest Area auf um die Nacht zu verbringen. Schnell noch ein paar Erbsen aus der Dose auf dem Gaskocher erhitzt und ein paar Seiten im Buch gelesen, ging es am nächsten Morgen nach Phillip Island. Gegen Mittag passierten wir die Insel. Traumhaft! Wirklich ein schönes Fleckchen Erde. Wir fuhren durch einen Nationalpark zu den Nobbis - das sind riesige Felsen im Meer, wo sich gewöhnlich Seelöwen aufhalten. Um diese zu sehen, hätten wir allerdings eine Bootstour machen müssen. In der Hoffnung anderswo fündig zu werden, entschieden wir uns jedoch dagegen. Die Küstenlandschaft an dem Südwestzipfel der Insel war einmalig. Im Sonnenuntergang liefen wir noch ein bisschen am Strand entlang als plötzlich ein kleiner Pinguin aus dem Meer an Land schlüpfte. Wir bekamen einen private Show und beobachteten wie der kleine Kerl an sein Nest über den Strand hinweg in die Dünen watschelte. So süß anzusehen, wie gefesselt saßen wir da und beobachteten das Geschehen. Zunächst blieb er einen Steinwurf entfernt vor uns stehen, lief dann ein paar Schritte zurück, wurde von den Wellen zurück gezogen und kam schließlich wieder auf uns zu. Bis er schnurstrax an uns vorbei den Strand hinauf lief... Ein Ranger beendete die Vorstellung. Wir befanden uns noch immer im Nationalpark, der anscheinend ab 20 Uhr geschlossen wird.
Die Nacht verbrachten wir in einem kleinen abgelegenen Ort direkt an der Küste. Nach dem Frühstück entschieden wir uns am nächsten Morgen die Insel noch etwas genauer zu erkunden. Wir fuhren ans andere Ende der Insel oben im Norden und parkten den Van. Wir spazierten durch Eukalyptuswälder und Sumpfland. Soviel wunderschöne Natur macht sogar Basti zu einem Wanderer:'). Wir beobachteten seltene Vögel, graue Gänse, schwarze Schwäne und Wallabies. Nur Koalas fanden wir keine in den Bäumen und unsere Suche wurde etwas gehemmt als Basti zwei fußbreit vor sich, gerade noch rechtzeitig, eine Schlange zusammengerollt im Gras entdeckte. Zurück im Van wollten wir das Koalakonservatorium aufsuchen und passierten dessen Tore gegen 17.20 Uhr. In 10 Minuten sollte es schließen. Eddy ließen wir auf dem Parkplatz stehen. Sie werden die Koalas ja wohl nicht einpacken, wenn sie die Anlage schließen, dachten wir uns und entschieden einmal drumherum zu laufen. Der erste Koala ließ auch gar nicht lange auf sich warten, und noch einer und noch einer. Wir waren voller Eifer und kletterten über einen Zaun, naja eher Wegabsperrung, um noch hinter die Anlage zu gelangen. Wir fanden touristenunzugägliche Bereiche und konnten die idealen Fotos machen, wie als ob uns die Koalas vor die Linse gesetzt wurden. Zufrieden gingen wir zurück zum Van und auf zur Pinguin Parade, dachten wir jedenfalls. Das Tor, dem wir beim Einfahren keine Beachtung geschenkt hatten, war nun zu. Wir sahen uns nach einem anderen Ausweg um, als uns ein Mann mit wedelnden Armen entgegenlief und uns entgeistert fragte, was wir denn noch hier machten. Eine gute Ausrede war schnell parat und extrem glaubwürdig noch dazu. Dem Mann tat das alles leid, doch einen Torschlüssel hatte er leider nicht dabei. Er wollte jemanden schicken, der uns schließlich 40 Minuten später vom Parkplatz zurück auf die Straßen von Phillip Island entließ. Die Pinguin Parade haben wir auf den nächsten Abend verschoben. Wieder eine Nacht an der Küste verbracht, besuchten wir am nächsten Vormittag den Flynn Beach, ein endlos langer Strand, kristallklares Wasser und absolute Idylle. Dort verweilten wir bis zum Nachmittag und wollten noch vor der Parade im Szenelokal "Café Lugano" in Cowes, dass sogar im Lonely Planet empfohlen wird und indem wir bereits am Vortag waren, einen Kaffee trinken. Dieses hatte jedoch geschlossen und so fiel die Wahl auf ein Café auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Anschließend fuhren wir zur Pinguin Parade. Es ist sehr nett anzuschauen, wie die kleinen Kerle in Gruppen aus dem Meer kommen, doch absolut Nichts im Vergleich zu dem, was wir vor 2 Tagen am Strand zu sehen bekommen haben. Man sitzt auf Rängen und bräuchte ein Fernglas um die Pinguine detailliert zu erkennen, wie wir es ungehindert konnten. Nach der Parade hatten wir Phillip Island nun sehr ausführlich abgearbeitet und traten noch am selben Abend nun den Weg zurück nach Melbourne an. Wir fuhren zurück in die Spenser Street in St. Kilda, wo wir auch vorher schon genächtigt hatten...
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