… die Fahrt geht weiter...
Der „Lonely Planet“ Reiseführer hatte keine weiteren Geheimtipps für die südliche Küste von New South Wales, also entschieden wir uns die Strasse ins Landesinnere in Richtung Snowy Mountains zu nehmen. Schnee liegt hier im Hochsommer bei 45 Grad im Schatten natürlich keiner. Aber die Australischen Alpen sind wohl das einzige Gebirge in dem überhaupt Schnee fällt und wo es Skipisten gibt. Nördlich von Cooma haben wir unsere zweite Nacht auf der Numeralla River Rest Area verbracht. In der Dämmerung dort angekommen, haben wir noch das Zelt aufgebaut, ein Gläschen Wein getrunken, den gibt es im 4 Liter Schlauch und er ist mit $ 10,00 wirklich günstig und lässt sich (auch warm) sehr gut trinken, den einmaligen Sternenhimmel genossen und uns bettfertig gemacht. Nicole und Tim haben uns in dieser Nacht die Matratze im Van zur Verfügung gestellt und sind selber ins Zelt gezogen. Ich konnte sehr viel besser schlafen. Ohne Socken, langer Hose und dickem Pulli war es trotzdem zu kalt.
Am nächsten Morgen war es um 10.00 Uhr bereits bullig heiß. Die Sonne schien fast senkrecht vom Himmel und hinterließ eine drückende Hitze. Es gab ein gemütliches Frühstück im Schatten und ehe alle 7 Sachen gepackt waren schlug es schon Mittag. Nun endlich auf in die Snowy Mountains. Durch den Kosciuszko Nationalpark, gleichnamig dem höchsten Berg Australiens, ging es stetig bergauf was dem Motor offensichtlich zu schaffen machte. Die Temperatur stieg und das Kühlwasser fing an zu kochen. Links an den Straßenrand gefahren, nutzten wir den Schaden für eine kurze Pause. Das Wasser immer noch auf Siedetemperatur, schraubte Tim vollen Mutes den Kühlwasserbehälter, der sich direkt unter dem Beifahrersitz befindet, auf… eine Fontäne jagte durch den Van, eine Dampfsauna ist ein Scheißdreck dagegen. Alles wieder trocken gemacht und gerichtet, Monty hatte sich erholt, zogen wir weiter nach Thredbo. Nachdem wir den sehr überschaubaren Ort etwas genauer unter die Lupe genommen hatten und feststellten, dass hier wohl nur in der Wintersaison der Bär steppt und der Supermarkt bereits um 16.00 Uhr seine Türen schließt (wir hatten es bereits 16.10 Uhr) haben wir noch ein paar Flaschen Wasser teuer an der einzigen Tankstelle erstanden und uns auf die Suche nach dem schönsten der vier möglichen Campingplätze gemacht. Wir entschieden uns für die Nationalpark Diggens Rest Area. Sie ist sehr schön an einem kleinen Fluss mit glasklarem, einskaltem, gerade mal knietiefem Wasser gelegen. In der Sonne schimmerte der Fluss golden, doch was da nach kleinen Nuggets aussah war leider nur Katzengold. Bereits am Nachmittag gegen 16.45 Uhr dort angekommen, richteten wir das Nachtlager her, bauten das Zelt auf, installierten die Dusche und Nicole kochte unterdessen unser Abendessen. Am Campingtisch bequem gemacht ließen wir uns Nudeln mit Tomaten-Lachs-Mais-Oliven-Sauce schmecken. Und dazu gab es natürlich ein Gläschen von unserem leckeren Goon. Später liefen Basti und ich runter zum Fluss um Wasser zu holen, denn Trinkwasser war auf dem Campingplatz Fehlanzeige. Nicht mal am Outside Dummy (Plumpsklo) gab es eine Möglichkeit sich die Hände zu waschen. Nach einer kleinen Ewigkeit, die Sonne war fast untergegangen, kamen Basti und ich zurück zum Van. Wir wateten durchs Wasser, kühlten somit unsere am Vortag verbrannten Fußrücken und genossen in dieser einmaligen Landschaft auf etwa 1200 m Höhe die Dämmerung. Wir beobachteten kleine Känguruhs und Hasen beim Abendmahl in unmittelbarer Nähe am anderen Flussufer und unterhielten uns mit einem Einheimischen über Spinnen, Schlangen und andere Gefahren. Sein Tipp: Fasst nichts an, was schön ist, denn es ist mit Sicherheit lebensbedrohlich. Und wenn wir in neue Ortschaften oder Gegenden kommen, wo wir uns nicht auskennen, sollen wir doch zu allererst ein Bierchen im lokalen Pup trinken gehen und uns bei Bewohnern der Region über die Gegebenheiten informieren.
Bis spät in die Nacht, alle um uns herum hatten sich bereits Schlafen gelegt, saßen wir zu viert in gemütlicher Runde und plauderten bei Wein und Kerzenschein aus dem Nähkästchen. Der Morgen begann mit einer erfrischenden Dusche und einer Schüssel Cornflakes. Es war gleich wieder unerträglich heiß und die Krähen um uns herum unzählbar. Alles verstaut fuhren wir zurück in das kleine fast ausgestorbene Örtchen Thredbo. Eine der vielen Liftanlagen ist auch im Sommer in Betrieb. Mit dem Sessellift fuhren wir auf 1927 m über zahlreiche (hellblaue bis maximal rosarote) Skipisten mit noch mehr Beschneiungsanlagen hinweg. Von dort hatten wir eine herrliche Aussicht über die Snowy Mountains. Ein 2 km langer Pfad, vielmehr ein etwa 30 cm über dem Boden montiertes Gitter, führte uns zum Mt. Kosciuszko Lookout auf 2000 m Höhe. Man lief also nicht wie üblich über Stock und Stein sowie gelegentlich durch kleine Bäche sondern schön gepflegt über eine gerade Fläche aus Metal, die sich quer über die Bergwiesen zog. Wanderschuhe ließen sich hier sehr gut durch Flip Flops ersetzen. Weitere 4,5 km wäre der ebenmäßige Gitterweg bis zum Gipfel, des mit 2228 m höchsten Berges der Australischen Alpen, gewesen. Aber dazu war es eindeutig zu heiß und eigentlich hätten wir nach 24 Stunden also bis 14.06 Uhr den Nationalpark, in dem wir uns immer noch befanden, wieder verlassen sollen. Es war dann sicher schon 16.30 Uhr als wir endlich raus waren, aber das hat zu unserer Verwunderung sowieso niemanden interessiert.
Auf der Fahrt zur nächsten und geplanten letzten Rest Area namens Pigs Point haben wir die Grenze nach Victoria überquert und Basti hat für ca. 100 km das rechte Steuer übernommen. Auf dem Pigs Point angekommen übernahm Basti den Schwung des Kochlöffels um uns für das vorabendliche Diner zu revanchieren. Es gab Pasta mit einer super feinen Petersilienkäsesauce und dazu den alltäglichen lauwarmen Goon. Der Campingplatz lag ebenfalls an einem kleinen Fluss, der aber leider nicht so schön war. Ich lief zum Händewaschen hinunter und wurde sogleich freundlich von Australiern angesprochen und mit Tipps versorgt. Dass wir deutscher Herkunft sind machte unter den 3 anwesenden Wohnwagen gleich die Runde. Ein einzelner Herr kam mit ein paar genuschelten deutschen Worten auf den Lippen lächelnd auf uns zu und versorgte uns mit zwei kleinen Schüsseln voll frisch gepflückter süßer Brombeeren. Nachdem der Abwasch erledigt, der Goone geleert und wir von unzähligen Mücken zerstochen waren, entschieden wir uns schon früher ins Bett zu gehen, da wir planten am nächsten Tag etwas früher aufzustehen um das noch 300 km entfernte Melbourne zu erreichen. Doch nicht so früh aufgestanden, am Fluss erfrischt, das Haar zerzaust, ungeschminkt und mit einer Schale Cornflakes gestärkt setzten wir uns 11.30 Uhr in Gang um auf dem Highway ohne nach links und rechts zu schauen nach Melbourne durchzufahren.
Es ist jetzt 16.25 Uhr, 50 km vor den Toren von Melbourne, bei gefühlten 50 Grad im Van, ich fließe davon und habe die Erlebnisse der letzten Tage abgetippt. Später werde ich den Eintrag noch posten…
Das Hostel für heute Abend, direkt in der Melbourne City, ist bereits ausgesucht und die Dusche schreit schon ganz laut meinen Namen. Nachher werden wir vielleicht noch mit unseren Wegbegleitern Nicole und Tim gemütlich etwas Trinken gehen und den gemeinsamen, sehr eindrucksvollen Trip revue passieren lassen…
... nach ziemlich genau 1500 km Fahrt und exakt 4 Tagen und 4 Nächten sind wir total schmuddelig in Melbourne angekommen, haben bereits unser Hostel bezogen und ausgibig geduscht. Wir teilen uns das Zimmer mit drei sehr netten Schweden, mal sehen was der Abend noch so bringt...
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