Mittwoch, 16. Februar 2011

Neuigkeiten von der Farm

Ein weiterer Tag auf unserer „kleinen“ Farm geht zu Ende. Und ich bin von Mücken zerstochen wie nie zuvor in meinem Leben. Die letzten Tage haben wir mit Ernten verbracht. Am Montag ist es nicht so gut gelaufen. Ich war langsam und wenig motiviert. Die Bäume waren doof und mein Bin wollte einfach nicht voll werden. Unsere Gang wurde in den letzten 90 Minuten noch in die Pfirsiche versetzt. Zunächst musste ich mich damit erstmal arrangieren. Doch mit der Zeit fing ich an, Pfirsiche zu mögen. Und lecker sahen sie aus, zum anbeißen. Knapp einen halben Bin habe ich geschafft, als der Feierabend eingeläutet wurde. Nicht gerade eine Glanzleistung.
Gestern waren wir den ganzen Tag in den Pfirsichen. Zu Beginn war ich richtig gut in Form. Es sah beinahe so aus als hätte ich meine Pflückleistung von einem auf den anderen Tag verdoppelt. Mir lief der Schweiß über den Rücken und Pfirsichstaub klebte im Gesicht. Ich war so richtig in meinem Element, einem neuen Element. Und es roch nach Geld, das erste mal seit ich mich schwere Leitern hoch quäle und tonnenweise Früchte herunter trage. Nur leider hielt das nicht lang an… Kurz vor Mittag kam der große Schock. Jeder weiß wie gerne ich Spinnen mag. Eine Spinne und einen Baum weiter gleich noch zwei. Groß, grau und absolut eklig. Kein Vergleich zu Weberknechten und anderen deutschen 8-Beinern. Ich hab gebrüllt und bin von der Leiter gesprungen, glücklicherweise stand ich nur noch auf der zweiten Sprosse. Mir stockte der Atem vor Schreck und schon war es vorbei mit der Schnelligkeit. Nachdem ich meine Sektion mit neun Bäumen abgegrast hatte, wurde mir die nächste zugeteilt. Es hat nicht lang gedauert. Ich ahnte es schon. Eine riesige Spinnenwebe im Geäst. Dick und zäh wie Gummi. Wie am Ende eines Regenbogens ein Goldsack zu finden sein soll, vermutete ich am Ende der Spinnenwebe eine Spinne. Und so war es auch. Pfirsich für Pfirsich misstrauisch abgezupft, da sah ich sie, fett, zusammengerollt zwischen den saftig gelben Früchten versteckt. Ein widerlicher Anblick, erneut ein Schrei. Im nächsten Baum drei. Das war der Höhepunkt. Zunächst habe ich eine mit meiner sau schweren Leiter samt Netz aus der Krone gezerrt. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Hässlich und schwarz diesmal. Die nächste war so groß wie ein Pfirsich selbst und ist mir über die Hand gelaufen, dann war es endgültig vorbei. Ich habe Basti aufgesucht und ihm mein Leid geklagt. Völlig aufgelöst habe ich die nächsten 20 Minuten bis zur Mittagspause damit verbracht, mich zu beruhigen. Ich fragte Rob, unseren Ganger, ob wir am nächsten Tag weiterhin Pfirsiche pflücken. Diese Frage konnte er mir jedoch nicht beantworten. Dennoch bat ich ihn, mich einer Gruppe zuzuteilen, die nur Birnen pflückt. Ich quälte mich den Rest des Tages. Mir wurde nahe gelegt doch keine Angst mehr zu haben. Die Spinnen seien nützlich und absolut harmlos… sehr witzig;’)
Endlich Feierabend. Zurück im Camp, ich sitze auf meinem Bett, schon fast auf dem Sprung zur Dusche, als es an die Tür klopft. Ray, der Verantwortliche, erkundigte sich nach meinem Tag. Er hätte einen Job für mich, ab morgen. Wenig später holte mich Ben ab und zeigte mir alles. Ich werde in einem Team an der Erntemaschine eingeteilt, Gott bin ich glücklich. Und Stundelohn soll es geben, $ 18.75 die Stunde. Es fehlte noch eine Person und man hatte an mich gedacht. Juhu, alles zum richtigen Zeitpunkt. Schlussendlich ein Glückstreffer.
Nachdem ich heute Morgen meine Sektion abschließen sollte, wurde ich eine Stunde später abgeholt. Rob bat mich noch den aktuellen Baum fertig zu pflücken, was mir Peter, ein freundlicher Australier, abnahm. Er hatte mir bereits gestern geholfen. Er ist „Profipflücker“ und gab mir gleich noch wertvolle Tipps über Australien mit auf den Weg.
Ich wurde zu meinem neuen Arbeitsplatz, der Erntemaschine, gefahren. Davon hat es zwei auf der 3000 ha großen Farm, die jeweils von einem Team aus 5 Personen bedient werden. Es gibt einen Fahrer, zwei Mädels die die aufgesammelten Pfirsiche auslesen, einen der hinterher läuft und den sich füllenden Bin im Auge behält sowie nebenbei die erreichbaren hängen geblieben Pfirsiche abpflückt und mich. Ich bin dafür zuständig, dem Fahrer durch Handzeichen zu verstehen zu geben, wie er die Maschine lenken muss, damit er den Baum richtig einspannen kann, um diesen dann zu schütteln. Ich bin begeistert.
Mal sehen wie lange ich mich auf diese Weise von Pfirsichbäumen mit Spinnen und schweren Leitern fernhalten kann...

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