Am Dienstag ging es erneut in die Birnen. Ich habe mich um 6.00 Uhr aus dem Bett gequält, 6.15 Uhr gab es wie immer Frühstück und anschließend ging es zum Treffpunkt. Diesmal ging alles etwas schneller voran, da wir nicht mehr eingewiesen werden mussten. Den angefangen Bin vom Vortag aufgesucht, die Leiter stand noch an Ort und Stelle, ging es los. Der angefangene Bin war schnell fertig gestellt und die nächsten dauerten gar nicht mehr so lange. 3 Bin’s konnten mir abgestempelt werden. Da es am ersten Tag nur einer war, sah die Bilanz nun schon etwas freundlicher aus. Nach Feierabend war die Pflücktechnik und die Anzahl der zu füllenden Bin’s wieder Thema Nummer eins. $ 38.50 sollte es pro vollen Bin geben, abzüglich der Steuer von 29%. Mit 4 Bin’s am Tag, 6 Tage die Woche (Samstag wird nicht gearbeitet und Sonntag nur in bestimmten Fällen) könnte man sich nach Abzug von Kost und Logis ($ 135.00 pro Woche) noch gut Geld in die Tasche stecken. Die 4 Bin’s muss man nur erstmal schaffen. Die Männer sind nah dran. Ich bin über 2,5 Bin’s pro Tag schon glücklich.
Mittwoch, der 3. Tag stand ins Haus. Mit Muskelkater quälte ich mich wieder aus meinem Bett. So gar nicht motiviert stieg ich die Leiter hinauf und füllte meinen Sack. Irgendwann lief Tim an mir vorbei und meinte für $ 31.00 mache er seinen Bin noch fertig und danach sei er weg. Unser Ganger hat uns nicht mitgeteilt, dass sich der Bin-Preis geändert hat seitdem wir alle Birnen pflücken. Einige Zeit später kam auch Basti bei mir vorbei. Es brauchte nicht viele Worte und wir waren uns einig es Tim und Nicole gleich zu tun und unsere sieben Sachen zusammen zupacken. Nach 1,5 Bin’s beendete auch ich gegen Mittag meine Arbeit. Wir mussten sowieso gehen, da es in unserem Block kleine Bäume mehr hatte und unser Ganger es nicht für nötig hielt, uns einen neuen zu zuteilen. Bei Accordarbeit sollte man das wohl erwarten können, denn schließlich ist jeder für seinen Verdienst selbst verantwortlich. Der Ganger war sowieso eine Spezies für sich. Ein Bauer mit ganz viel Matsch in der eigenen Birne.
Alles zusammengepackt suchten wir vier einen Campingplatz auf. Dieser lag am Murray River, der die Grenze zwischen Victoria und New South Wales bildet. Es gab weder fließend Wasser noch Outside Dunnys. Wir schlugen das Zelt auf und organisierten unser mittlerweile aus allen Nähten platzendes Gepäck. Wie sich später herausstellte war der ganze Platz nur von deutschen Fruit Pickern bewohnt. Birnen, Zitronen, Pföhrssche und Pflaumen, es war alles zu finden. Jeder hatte andere Stories zu berichten. Sehr interessant wars. Der Abend verging in großer geselliger Runde bei viel Bier und wieder mal Goon. Noch auf der Pullar Farm wurden wir von zwei anderen Pflückern mit einigen Telefonnummern und Adressen anderer Farmen versorgt und Basti hatte diese noch wenig erfolgreich angerufen. Eine weitere Nacht im Zelt stand uns bevor und keiner wusste wie der Donnerstag enden würde. Am Vormittag, nachdem wir mal wieder gediegen ausschlafen durften, haben Basti und Tim sich auf den Weg ins Dorf gemacht. Sie wollten es beim Harvest Office versuchen. Basti hatte herausgefunden, dass es neben der Pullar Farm noch die Cornish Farm, hier werden auch Birnen gepflückt, gibt. Das sind die beiden größten Farmen in der Region und auch die einzigen mit Unterkunft. Die Cornish Farm, bei der wir uns von Melbourne aus schon Online beworben hatten, sucht im Moment leider keine Leute. Doch Basti hat sich davon nicht irritieren lassen und trotzdem nachgefragt. Siehe da, am Morgen hat ein Picker die Farm verlassen und es ist somit ein Zimmer frei geworden, welches wir direkt beziehen konnten. Der Aufbau des „Camps“ ist grundsätzlich der Gleiche wie auf der Pullar Farm. Doch hier ist alles viel freundlicher, besser organisiert und gepflegt. Nachdem wir unsere Sachen im Zimmer 13 Block West, mit Fenster diesmal und etwas größer, einen Spint gibt es auch, verstaut hatten bekamen wir eine fachliche Einweisung von Ray, er ist der Verantwortliche hier. Unser Ganger wurde uns vorgestellt. Er macht einen sehr viel netteren Eindruck und auch sonst ist der Umgang viel warmherziger. Und das Beste, es gibt hier Internet. Somit lässt es sich doch gleich viel besser leben! Mit Erntesack und Hut ausgestattet gingen wir zu unserem Zimmer zurück und ich kam schon mit den ersten Pflückkollegen ins Gespräch.
Zu jeder Mahlzeit ertönt ein Blashorn. Die Sandwiches zum Mittag werden uns zu den Bäumen gebracht. Und im Speisesaal geht es heiß her. Man kann hier am Abend zwischen zwei Menus wählen. Es wird sich Reihenweise angestellt. Ray koordiniert die Sitzblöcke zum Essenfassen. Es hat eben alles seine Ordnung.
Heute Morgen wurden wir vom Blashorn geweckt. Ich lief gerade zum Speisesaal hinüber als es zu regnen begann. Wie auch schon gestern Abend, stand gleich der ganze Hof unter Wasser. Es nieselt nicht nur, nein es schüttet wie aus Eimern und das nun mittlerweile schon den ganzen Tag immer wieder und wieder. Wir bräuchten noch Gummistiefel um unser Zimmer zu erreichen… Es sah also so aus, als würde unser erster Arbeitstag ins Wasser fallen. Und dem war schlussendlich auch so. Raus aus den Birnenklamotten hauten wir uns noch eine Stunde aufs Ohr. Basti organisierte eine Mitfahrgelegenheit und so hatten wir die Möglichkeit im Dorf einkaufen zu gehen. Bei Pullar gab es keine Kopfkissen, hier gibt es dafür keine Bettlaken und Decken. Mittlerweile haben wir alles besorgt, was den Alltag hier recht gut erträglich macht.
Morgen haben wir auch noch frei und am Sonntag geht es dann gut erholt an die Arbeit.
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