Es gibt so viel zu erzählen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll…
Seit vorletzten Donnerstag bin ich wieder fleißig am Pflücken… aber die Erntemaschine ruft schon ganz bald wieder:'). Samstags haben wir ja immer frei und am Sonntag sollte eigentlich gearbeitet werden. Doch leider:') hat es geregnet, sodass wir gegen 10.00 Uhr klitsch nass von der Leiter geholt und zurück ins Camp gebracht wurden… worüber, glaube ich, niemand traurig war. Die Pfirsiche hängen dennoch auf dem Baum und warten weiterhin darauf runter geholt zu werden:(.
Diese Woche waren aber erstmal die letzten Birnen dran. Packhams nennen sie sich und sind super zum Pflücken. Die Bäume sind sehr bedienerfreundlich gewachsen und reich beladen. Ich habe heute meine persönliche Highscore mit 4.5 Bins geknackt. Jippi! Das sind ca. 2500 kg Birnen. Das einzige Negative an den Birnen, sie sind sauschwer. Ich kann die voll geladene Tasche jedes Mal kaum zum Bin tragen, aber alles andere wäre Zeitverschwendung… Und ich bin nach Feierabend immer halb tot, es gibt nichts, das nicht weh tut und mein Bett ruft immer schon von weitem ganz laut... Dazu kam, dass es mir Mitte der Woche nicht so gut ging und ich das Gefühl hatte krank zu werden. Ich hatte einen riesig angeschwollenen Mückenstich am Bein und zudem noch drei weitere, die alles andere als harmlos aussahen. Tracy, eine Gangerin, hat mir eine Salbe gegeben und mir geraten einen Arzt aufzusuchen. Sie meinte, dass könne noch schlimmer werden. Nachdem mir meine Britischen Kollegen, alle im Camp waren mittlerweile besorgt, auch zu einem Arzt rieten, haben wir nach einem Auto Ausschau gehalten und Basti hat mich ins Krankenhaus gefahren. Abends hat ja leider keine Arztpraxis mehr offen. Es war alles dunkel und schien völlig ausgestorben. In der Mitte des Ganges fanden wir eine Art Rezeption. Zwei Frauen und ein Mann saßen tratschend zusammen. Sie haben sich, nicht sonderlich besorgt, meine Story angehört und meine Stiche inspiziert. Sie seien alle entzündet. Alles passte nun wie ein Puzzle zusammen. Muskelschwäche, angeschwollene Lymphknoten, das Gefühl krank zu werden - die Stiche waren Schuld. Sie haben meine Personalien aufgenommen, Blutdruck und Fieber gemessen, mit einem seltsamen Thermometer, das einmal über meine Stirn gestreift und mir kurz hinters Ohr gehalten wurde. In dem Krankenhaus sah es so aus, wie man es aus „Scrubs“ und den ganzen amerikanischen Serien kennt. Ein klimatisierter Raum voller Equipment mit 3 Betten drin, die man durch grüne Vorhänge voneinander trennen kann. Dann haben sie mir ein paar Antibiotika und Paracetamol in die Hand gedrückt und mir geraten, am nächsten Tag einen Arzt aufzusuchen, der mir weitere Antibiotika verschreibt. Am Freitagnachmittag bin ich also zu Mr Iqbal, denn Mr Quazi war voll ausgebucht. Er verschrieb mir eine Packung Antibiotika und schickte mich zu einer Schwester, die die Stiche versorgte und zupflasterte. Mittlerweile geht es mir wieder super und ich werde ständig nach meinem wohlbefinden gefragt…
Vorletzten Samstag waren wir für ein paar Stunden im Freibad, eine willkommene Abwechslung im Campalltag. Wir waren zu siebt unterwegs und trafen im Bad auf viele weitere Pflückkollegen, die offensichtlich die gleiche Idee hatten. Das Bad selbst war zwar eher unspektakulär aber zweckmässig. Wir vertrieben uns die Zeit mit Wasserballspielen und hatten viel Spaß. Auf dem Rückweg vom Bad ins Stadtzentrum haben wir uns etwas verlaufen. Da es samstags sowieso kein Mittag- und Abendessen im Camp gibt entschieden wir uns in der Stadt eine Kleinigkeit zu essen, wussten aber nicht wo und die Nahrungssuche gestaltete sich schwieriger als erwartet. Wir irrten durch die Kleinstadt bis wir auf einen freundlichen Australier trafen, der uns das „Bottom Pup“ empfiehlt. Wir wollten aber keinen Schritt mehr laufen, wir waren einfach nur hungrig. Er war gerade dabei uns den Weg zu erklären, als er sich entschied uns dahin zu fahren. Also hat er uns auf zwei Touren dahin gebracht… Es war schön aus dem Nahrungskreislauf des Camps auszubrechen, denn da gibt es jede Woche das Gleiche – Reis, Chips, Chicken, Gemüse und Fisch in veränderlicher Kombination und Zubereitung und nicht zu vergessen, ohne Salz…
Am Freitagabend hatten wir, wie auch vergangene Woche, eine tolle Party im Camp… es gab viel zu erzählen und zu lachen. Bei Bier, Goon und Malibu mit Lemonade rückt die harte Arbeit weit in den Hintergrund… Was great fun!
Gestern waren wir bei einem BBQ, ca. 15 Minuten Fahrt von unserer Farm entfernt, bei Freunden von Nev, einem unserer Tracktorfahrer. Steve, der mit einer Aborigine-Frau verheiratet ist, hat uns zu sich eingeladen. Vollbepackt mit guten Sachen sind wir mit zwei Autos, ich liegend auf der Matratze im Campervan unseres Gangers Rob, da kein weiterer Platz mehr vorhanden war, dahin gefahren. Das eigentliche Ziel war zusätzlich zum Essen ein paar Koalas zu sehen. Direkt neben dem Grundstück der beiden, das etwas abseits in der Mitte von nirgendwo liegt, hat es viele Eukalyptusbäume und wohl auch immer reichlich Koalas, die bei großer Hitze bis auf Augenhöhe die Bäume heruntergeklettert kommen. Zu unserem Pech gab es nur einen einzigen und der saß so ziemlich unerreichbar und kaum sichtbar sehr weit oben im Baum und schlief. Dafür gab es genug anderes Getier und riesige Spinnen… Auf der Suche nach weiteren Koalas wäre ich beinahe in ein bewohntes Netz gelaufen. Dick und fett saß die Spinne mittendrin und mein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter entfernt, als ich sie in Augenhöhe erblickte… ich bin im Dreieck gesprungen, mal wiederJ Nachdem Essen sind wir zu einem Creek des Murray River gefahren, dort sollte es sicher Koalas geben. Einige Mutige waren im Fluss baden wobei die Koalas leider etwas in den Hintergrund getreten sind… Auf der Rückfahrt zu Steve’s Haus habe ich wieder auf der Matratze gelegen, die ich mir diesmal mit Basti teilte. Wir holperten über die unbefestigten Strassen. Hinter uns fuhr der zweite Wagen, den wir aus unserer Lage sehr gut beobachten konnten. Die Insassen versuchten uns zu fotografieren, als plötzlich nur noch Basti auf den Fotos zu sehen sein musste. Mich hatte es in einer etwas zu schnell genommen Linkskurve von der Matratze gefegt…
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